Betzenhausen auf Fotos von Willy Pragher

Bilder der 1950er- bis 1980er-Jahre

1965 Studentensiedlung im Bau

Willy Pragher (1908–1992) gehört zu den wichtigsten Fotografen Südwestdeutschlands im 20. Jahrhundert. Niemand dürfte so viele Freiburg-Fotos gemacht haben wie er. Über Jahrzehnte hinweg dokumentierte er mit großer Aufmerksamkeit den Alltag, den Wiederaufbau und den gesellschaftlichen Wandel nach dem Zweiten Weltkrieg. Freiburg im Breisgau spielte dabei eine zentrale Rolle in seinem Werk.

Willy Pragher war mehr als nur ein Fotograf; er war eine Art visueller Archivar der badischen Geschichte. Wer heute durch das Staatsarchiv Freiburg blättert, stößt unweigerlich auf seinen Namen. Seine Bilder haben hohen dokumentarischen Wert, bilden ein visuelles Gedächtnis Freiburgs. Seine Fotografien dienen Hinstorikern und Stadtplanern als wichtigste Quelle, um die Entwicklung Freiburgs nachzuvollziehen. Insbesondere seine Aufnahmen aus den 1950er bis 1970er Jahren erzählen eine Geschichte von Aufbruch, von Beton, aber auch vom Verlust an Idylle.

Pragher fotografierte keine inszenierten Motive, sondern das alltägliche Leben mit seinem Lebensgefühl. Dadurch wirken seine Bilder authentisch und nahbar. Das Umfeld wirkt bei ihm nicht als Postkartenmotiv, sondern als Lebensraum. Straßen, Plätze und Wohnviertel werden zu Schauplätzen gesellschaftlicher Veränderung.


Betzenhausen – vom Dorf zum Stadtteil

1974 Der Flückigersee ist noch ein Baggersee

Ein Schwerpunkt von Praghers Arbeiten lag auch auf der Entwicklung im Freibuger Westen und damit auf unserem Stadtteil Betzenhausen. In der Nachkriegszeit befand sich das Gebiet in einem tiefgreifenden Wandel: Aus einem ehemals dörflich geprägten Ort, der im Krieg zum grossen Teil zerstört worden war, wurde Schritt für Schritt ein urbanes Wohngebiet. Willy Pragher hielt diese Übergangsphase eindrucksvoll fest.

In seinen Bildern von Freiburg und Betzenhausen sind aber auch die „Nebengeräusche“ der Modernisierung spürbar: Einerseits der Stolz auf den Fortschritt durch neue moderne Wohngebiete, andererseits der spürbare Abschied von der alten Zeit. Auch für Betzenhausen sind seine Fotos eine Brücke in die Vergangenheit.

Schwerpunkt-Themen seiner Fotos von Betzenhausen: der neu entstandene Bezirk Betzenhausen-Bischofslinde, inkl. Bau der Studentensiedlung (StuSie). Die Verkehrsanbindung über die Sudgauallee und auch der Bau der Westrandstrasse zum Autobahnzubringer bei der Gaskugel. Dazu gehört natürlich auch die Entwicklung im Gebiet rund um den Flückigersee als Basis der Landesgartenschau 1986. Diverse Luftaufnahmen ergänzen die Detailsichten.

Beeindruckend auch seine Fotos vom Leben im Landesdurchgangslager für Flüchtlinge, das in den 1950er Jahren hier in Betzenhausen existierte.


Der Nachlass von Willy Pragher

1984 Luftbild mit Vorbereitungen zur Landesgartenschau

Sein umfangreicher Nachlass befindet sich heute im Staatsarchiv Freiburg (Zeitraum 1926 bis 1992): Es ist der größte Fotografennachlass in einem Staatsarchiv in Baden-Württemberg. Die Sammlung besteht aus rund einer Million Fotografien, davon mehrere hunderttausend Filmnegative, 27.000 Diapositive, 110.000 Papierpositive und rund 6.000 Glasplattennegative.

Ein großer Teil der Sammlung wurde inzwischen digitalisiert und mit Schlagworten versehen (siehe Hinweise zum Vorgehen im Archivportal). Auf der Basis sind heute über 100.000 Fotos online verfügbar; aufrufbar über die zentrale Suche beim Landesarchiv BW.  In der Suchmaske ggf. „Pragher Betzenhausen“ eintragen, bzw. passende andere Begriffe. Ein Teil der Fotos ist auch unter commons.wikimedia.org zu finden (auch dort wieder über Volltextsuche verwenden).


Sonstiges zu Willy Pragher

Natürlich gibt es auch bei www.wikipedia.de eine ausführliche Vorstellung des Fotografen.

Das Werk von Willy Pragher wurde mehrfach in Ausstellungen gewürdigt, z.B. im Jahr 2022: „Typisch!? Freiburg und die Region in Fotos von Willy Pragher“ im Haus der Grafischen Sammlung (Freiburg).

Bildbände mit Fotos von Willy Pragher, z.B. „Freiburg in den 60er Jahren, festgehalten in Fotografien von Willy Pragher“ (Staatsarchiv Freiburg 2024), erhältlich im Buchhandel.

Die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild (www.arge-stadtbild.de) veranstaltet unregelmäßig Bildvorträge zu Einzelthemen der Freiburger Baugeschichte, die teilweise auf Fotos von Willy Pragher basieren (ggf. auch in Zusammenarbeit mit der VHS).

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