Betzenhausen auf Fotos von Willy Pragher

Bilder der 1950er- bis 1980er-Jahre

1965 Studentensiedlung im Bau

Willy Pragher (1908–1992) gehört zu den wichtigsten Fotografen Südwestdeutschlands im 20. Jahrhundert. Niemand dürfte so viele Freiburg-Fotos gemacht haben wie er. Über Jahrzehnte hinweg dokumentierte er mit großer Aufmerksamkeit den Alltag, den Wiederaufbau und den gesellschaftlichen Wandel nach dem Zweiten Weltkrieg. Freiburg im Breisgau spielte dabei eine zentrale Rolle in seinem Werk.

Pragher ist 1908 in Berlin geboren, seine Schulzeit verbrachte er teilweise in Stuttgart, wo er in den 1920er Jahren begann zu fotografieren. In den 1930 machte er das Hobby zum Beruf als Pressefotograf. Nach dem Krieg (1949) zog es ihn nach Freiburg und er begann, die Entwicklung der Stadt festzuhalten. Insbesondere seine Aufnahmen aus den 1950er bis 1970er Jahren erzählen eine Geschichte von Aufbruch, von Beton, aber auch vom Verlust an Idylle. Seine Bilder haben hohen dokumentarischen Wert: sie sind ein visuelles Gedächtnis Freiburgs und dienen Historikern oder auch Stadtplanern als wichtige Quelle, um die Entwicklung Freiburgs nachzuvollziehen.

Pragher fotografierte keine inszenierten Motive, sondern das alltägliche Leben mit seinem Lebensgefühl. Dadurch wirken seine Bilder authentisch und nahbar. Das Umfeld wirkt bei ihm nicht wie ein Postkartenmotiv, sondern zeigt Lebensräume; Straßen, Plätze und Wohnviertel dienen dabei auch als Schauplätze gesellschaftlicher Veränderung.


Betzenhausen – vom Dorf zum Stadtteil

1974 Der Flückigersee ist noch ein Baggersee

Häufiges Thema bei Pragher waren auch die Entwicklungen im Freiburger Westen und damit auch  Betzenhausen. In der Nachkriegszeit befand sich das Gebiet in einem tiefgreifenden Wandel: Aus einem ehemals dörflich geprägten Ort, der im Krieg zum großen Teil zerstört worden war, wurde Schritt für Schritt ein urbanes Wohngebiet. Willy Pragher hielt diese Übergangsphase eindrucksvoll fest.

In seinen Bildern von Freiburg und Betzenhausen sind aber auch die „Nebengeräusche“ der Modernisierung spürbar: Einerseits der Stolz auf den Fortschritt durch neue moderne Wohngebiete, andererseits der spürbare Abschied von der alten Zeit. Auch für Betzenhausen sind seine Fotos eine Brücke in die Vergangenheit.

Schwerpunkte in seiner Fotos von Betzenhausen: der neu entstandene Bezirk Betzenhausen-Bischofslinde, inkl. Bau der Studentensiedlung (StuSie). Die Verkehrsanbindung über die Sundgauallee und auch der Bau der Westrandstraße mit Anschluss an den Autobahnzubringer bei der Gaskugel. Dazu gehört natürlich auch die Entwicklung im Gebiet rund um den Flückigersee als Basis der Landesgartenschau 1986. Diverse Luftaufnahmen ergänzen die Detailsichten (siehe auch Beitrag mit Bildern zum Flückigersee).

Beeindruckend sind auch seine Fotos vom Leben im Landesdurchgangslager für Flüchtlinge, das sich in den 1950er Jahren hier in Betzenhausen befand.


Der Nachlass von Willy Pragher

1984 Luftbild mit Vorbereitungen zur Landesgartenschau

Sein umfangreicher Nachlass befindet sich heute im Staatsarchiv Freiburg (Zeitraum 1926 bis 1992) und darf als ein Highlight dort gelten: Es ist der größte Fotografennachlass in einem Staatsarchiv in Baden-Württemberg. Die Sammlung besteht aus rund einer Million Fotografien, davon mehrere hunderttausend Filmnegative, 27.000 Diapositive, 110.000 Papierpositive und rund 6.000 Glasplattennegative. Es gibt aber auch Unterlagen über sein Leben und seine Arbeitsweise, denn sehr viele Fotos wurden schon von ihm selbst kategorisiert und mit Schlagworten oder auch ausführlicheren Texten beschrieben. Beeindruckend auch seine Sammlung an Veröffentlichungen und die Kartei der ausgeliehenen Fotos oder Negative (auch international).

Ein großer Teil der Sammlung wurde inzwischen digitalisiert und mit Schlagworten versehen (das Vorgehen ist im Archivportal beschrieben). Auf dieser Basis sind heute über 100.000 Fotos online verfügbar; aufrufbar über die zentrale Suche beim Landesarchiv BW.  Davon bezieht sich natürlich nur ein kleiner Teil auf Betzenhausen. Trotzdem absolut lohnenswert: In der Suchmaske ggf. „Pragher Betzenhausen“ eintragen, bzw. passende andere Begriffe. Ein Teil der Fotos ist auch unter commons.wikimedia.org zu finden (auch dort ist wieder  Volltextsuche vorhanden).


Sonstiges zu Willy Pragher

Natürlich gibt es auch bei www.wikipedia.de eine ausführliche Vorstellung des Fotografen.

Das Werk von Willy Pragher wurde mehrfach in Ausstellungen gewürdigt, z.B. im Jahr 2022: „Typisch!? Freiburg und die Region in Fotos von Willy Pragher“ im Haus der Grafischen Sammlung Freiburg (siehe Kurzinfo hier).

Es gibt mehrere Bildbände mit Fotos von Willy Pragher, z.B. „Freiburg in den 60er Jahren, festgehalten in Fotografien von Willy Pragher“ (Staatsarchiv Freiburg 2024, erhältlich im Buchhandel).

Die Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild (www.arge-stadtbild.de) veranstaltet unregelmäßig Bildvorträge zu Einzelthemen der Freiburger Baugeschichte, die häufig auf Fotos von Willy Pragher basieren (ggf. in Zusammenarbeit mit der VHS).

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