Landesgartenschau 1986

Im Jahr 2026 gibt es für den Seepark in Freiburg-Betzenhausen ein kleines Jubiläum: 40 Jahre ist es her seit der Landesgartenschau 1986 und damit seit Entstehung des Parks rund um den Flückigersee. Also wollen wir hier relevante Infos über dieses Ereignis zusammenstellen, das im nachhinein so prägend war für das heutige Bild des Stadtteils Betzenhausen.

Vorgeschichte

Schon in den frühen 1920er Jahren begann die Förderung von Kies auf dem Gelände des heutigen Seeparks. Der anfängliche Standort war südöstlich vom heutigen See. Auch in dieser ersten Phase ist schon ein See entstanden, von dem man heute allerdings nichts mehr sieht,  denn nach dem zweiten Weltkrieg hat man dort viele Trümmer der Freiburger Innenstadt abgeladen. Am Ende hat sich fast schon ein Hügel gebildet; etwa dort, wo heute der Rosengarten mit benachbarten Strassen zu finden ist (siehe auch unser Beitrag zur Trümmerbahn).

Flückigersee nach Ende Kiesabbau

Beim heutigen See wurde in den 1950er Jahren die Förderung von Kies wieder aufgenommen von einer Firma Flückiger, die schliesslich ja auch Namensgeber wurde (das Bild rechts zeigt den Zustand vor der LGS). Ende der 1970er Jahren hatte die Besiedlung des Umfeldes  (Bischofslinde, StuSie) so zugenommen, dass ein weiterer Kiesabbau in direkter Nachhbarschaft nicht mehr sinnvoll erschien. So entstanden Ideen, das Gelände als Park für die westlichen Stadtteile weiter zu entwickeln. Durch die  Landesgartenschau 1986 wurde die Idee zur Realität.

Ein wichtiger Schritt war ein Architektenwettbewerb im Jahr 1983, der sowohl Grundlage der Landesgartenschau 1986 sein sollte, also auch Basis für das zukünftige Freizeitgelände. Sieger wurden die Gartenarchitekten Harbauer zusammen mit der Werkgruppe Lahr. In der Folge wurde die Form des Sees teilweise verändert, auch wurden vorher steile Ufer abgeflacht. Es gab noch einen weiteren Wettbewerb mit großen Auswirkungen: unter der Überschrift „Park, Kunst und Utopie“ wurden Bau-/Kunstwerke erschaffen, die noch heute den Seepark auszeichnen (mehr dazu weiter unten).

Natürlich suchte man zur Landesgartenschau auch ein Markenzeichen, ein Symbol/Logo, das Sympathieträger sein sollte. Vom Freiburger Grafiker und Designer Joseph Pölzelbauer kam der Vorschlag für eine besondere Art von Schmetterling, der ja als Wunderwerk der Natur gilt, Vielfalt symbolisiert und für Lebensfreude steht. Und er wurde auch als Hinweis auf bedrohte Tier- und Pflanzenwelt verstanden. So wurde der „Freiburger Vielfalter“ geboren (siehe Briefmarke).

So war es auf der Landesgartenschau

Eine Ausstellung über 178 Tage (18. April bis 12. Okt. 1986); 35.000 m² Gesamtfläche, davon 9.800 m² Wasseroberfläche; gepflanzt wurden 3.200 Bäume und über 500.000 Blumen. Zur Eröffnung kam der damalige Ministerpräsident und Schirmherr Lothar Späth. Am Ende kamen über zwei Millionen Besucher: bis heute eine der erfolgreichsten Landesgartenschauen in Baden-Württemberg.

In den Wochen vor der Eröffnung war das Wetter schlecht, man wartete sehnlichst auf Sonnenschein und Wärme, das Wachstum der Natur war im Rückstand. Dann, keine zwei Wochen nach der Eröffnung, die Tschernobyl-Katastrophe: Doch trotz aller niederschmetternden Berichte aus und über Tschernobyl kamen die Menschen weiterhin zur LGS.

Es war eine der ersten Ausstellungen, bei der das Thema Ökologie eine zentrale Bedeutung bekam in der Gestaltung und auch bei Veranstaltungen. Mit dem Ablauf der LGS entstand auch die Idee zu einer dauerhaften Ökostation, wie wir sie heute kennen. Vielleicht war es auch die Basis für Freiburgs heutiges Image als „Green City“.

Auch der Sport kam nicht zu kurz und so wurde beispielsweise am Wochenende um den 7. Juni parallel zur LGS auch die 2. Landesgymnaestrada in Freiburg ausgetragen mit einer Reihe von Veranstaltungen direkt auf dem Seeparkgelände.

Delegationen aus verschiedenen Partnerstädten von Freiburg waren zu Besuch (z.B. Padua und Matsuyama). Zur Partnerstadt Besançon hatten sich sogar Vertreter von Bürgervereinen aus dem Westen selbst zu einer dreitätigen Radtour (Start am Blumenhaus) aufgemacht, um dort für die Landesgartenschau zu werben.

Und gefeiert wurde natürlich auch, z.B. zum Jubiläum „40 Jahre SWF“ am 5. Juli.

Stadtteiltag Betzenhausen: Am 8. Juni 1986 präsentierte sich der Stadtteil Betzenhausen beim sog. Stadtteiltag. In der Blumenhalle hatte der Bürgerverein zusammen mit Dr. Franz Flamm eine Dokumentation mit Exponaten zur Geschichte von Betzenhausen zusammengestellt. Alles zusätzlich auch beschrieben in einer Sonderausgabe des Bürgerblättle (hier Auszüge). Diverse Vereine und Schulen waren mit Aufführungen vertreten: Fanfarenumzug, Konzerte, Modenschau, Theateraufführungen, Horex-Motorsport, Fußball-Turnier u.a. Künstler aus Betzenhausen zeigten ihre Werke in einer eigenen Ausstellung. Es war auch eines der ersten Konzerte vom gerade wieder neu gegründeten „Musikverein Betzenhausen-Bischofslinde e.V.“ (heute bekannt durch die „Orchestergemeinschaft Seepark“). Im September folgte ergänzend ein gemeinsamer Tag aller Stadtteile aus dem Freiburger Westen.

Wettbewerb „Park, Kunst und Utopie“

Den Wettbewerb zur künstlerischen Gestaltung haben wir schon oben erwähnt: Dabei sollten vor allem plastische Qualitäten relevant sein, weshalb insbesondere auch junge und renomierte Architekten zur Teilnahme eingeladen wurden. Beteiligt war auch Prof. Klaus Humpert als ehemaliger Leiter des Stadtplanungsamtes beteiligt. Einige Beiträge waren zeitlich begrenzt und somit nur während Zeit der Ausstellung zu sehen. Andere blieben auch nach der Ausstellung erhalten und sind heute noch im Seepark zu finden (z.B. Seeparkturm, Forsthaus, Tempelchen und Pontonbrücke, siehe auch Beitrag zu Park, Kunst und Utopie)

Ein zusätzliche Anekdote: auf den See schwamm zur Landesgartenschau eine Art Arche in Form eines Rheinkahns mit rot-weißen Wellblechhaus. Ein Beitrag von Prof. Klaus Humpert, dem ehemaligen Leiter des Stadtplanungsamtes. Die Arche versank während eines Sturms kurz nach Ende der Gartenschau. Sie ist liegt noch heute in den Tiefen des Sees und wird auch gern von Tauchern angesteuert.

Die Ökostation am Seepark

Die Ökostation im Bau Winter 1985/86

Die ökologische Idee der Landesgartenschau spiegelte sich wohl am meisten in diesem urigen Holzhaus wider, das sich Ökostation nannte. Ein Naturhaus mit Lehmwänden, einem Grasdach, einer Solaranlage und einem Bio-Garten zur Selbstversorgung. Die Ökostation wurde zu einer der größten Attraktionen der Ausstellung und wurde von über 1 Mio. Gästen besucht.

Dort lief ein buntes Veranstaltungsprogramm um ökologisches Leben erfahrbar zu machen: Ökolandbau, gesunde Ernährung, Energiesparen uvm. Es gab einen ökologischen Waschtag und sogar Brotbacken war ein Thema (wie heute noch regelmäßig): wobei damals die Brötchen wohl teilweise noch etwas hart waren. Aber es waren schon damals die Themen, die das Angebot der Ökostation auch in den Jahrzehnten prägen sollten.

Bürgerhaus am Seepark

Das heutige Bürgerhaus am Seepark wurde bei der Landesgartenschau 1986 überwiegend als Blumenhalle genutzt. Zusätzlich war es der Landespavillon und damit zentrale Infostelle “Treffpunkt Baden-Württemberg”. Hier gab es auch diverse Veranstaltungen. Im heutigen Foyer befand sich ein Springbrunnen. Schon der Entwurf zum Wettbewerb für die Landesgartenschau war die Grundform des späteren Bürgerhauses enthalten.

Holz-Installationen auf dem Torplatz

Über viele Jahre waren die riesigen Skulpturen ein Erkennungsmerkmal für unseren Stadtteil: die grossen Holz-Skulpturen/Installationen auf dem Betzenhauser Torplatz, dem zentralen Eingangsbereich zur Landesgartenschau (vor allem für diejenigen, die mit der recht neuen Straßenbahn kamen). Die Holz-Skulpturen wurden entworfen von Architekt Hans-Dieter Schaal aus Attenweiler und eigentlich sollte es nur eine temporäre Installation für den Zeitraum der Ausstellung sein. Doch wie so manches, was nur temporär gedacht ist: Erst 2020 wurden die inzwischen maroden Holz-Skulpturen bei Neugestaltung des Platzes entfernt.

 

Nachfolgend einige Impressionen von der Landesgartenschau 1986 mit Bildern aus dem KuGe-Archiv.


Was geblieben ist:

Ein Parkgelände, dessen Gestaltung weit über Freiburgs hinaus Beachtung findet und als städteplanerische Grundlage für die weitere grüne Entwicklung im Freiburger Westen gilt. Die LGS war Grundlage für den heutigen Seepark rund um den Flückigersee, sicher der meistbesuchte Park Freiburgs.


Andere Berichte zur LGS 1986

Im Jahr 2016 (also zum 30er Jubiläum) konnte die Redaktion vom Stadtteil-Magazin Bürgerblättle Gespräche führen mit Dr. Rolf Böhme (damaliger OB), Bernhard Utz (früherer Gartenamtsdirekter und Techn. Geschäftsführer) und Bernd Dallmann als Direktor der LGS. Siehe zugehörigen Beitrag.

Einen Rückblick gab es 2016 auch in der Badischen Zeitung unter dem Titel Vor dreißig Jahren wurde die Landesgartenschau in Freiburg eröffnet und mit einigen Fotos: So war die Landesgartenschau in Freiburg 1986 (ggf. nur eingeschänkter Zugriff).

Im Landesarchiv-BW gibt es viele Bilder von Willi Pragher über die LGS. Der Link hier www2.landesarchiv-bw.de  zeigt direkt auf das erste Bild der Sammlung. Über die Funktion „Findbucheintrag wechseln“ im Kopf der Seite oder per Pfeiltasten der Tastatur kann man zwischen allen Bildern wechseln.

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