Lufthansa-Flug von Freiburg nach Stuttgart

Kaum vorstellbar: eine Linien-Maschine der Lufthansa startet auf dem kleinen Flugplatz von Freiburg in Richtung Stuttgart. Und doch wahr, wenn man ein Stück an der Uhr dreht: Ab 1926 gab es wirklich eine regelmäßige Fluglinie der Lufthansa zwischen beiden Städten. Die Hintergründe wollen wir hier zusammenfassen, denn jetzt – im Jahr 2026 und damit genau 100 Jahre später – ist der Flugplatz und dessen Zukunft wieder mal ein Thema: Zum einen, weil 2031 Verträge auslaufen; zum anderen, weil in einem OB-Wahlkampf gern Ideen und Vorschläge präsentiert werden.

Das alles ist ja ein guter Grund, um zurückzublicken auf einzelne Phasen in der Geschichte von diesem Flugplatz und seiner Bedeutung für die Entwicklung im Freiburger Westen. Denn der Verkehrslandeplatz ist einer der ältesten Flugplätze in Deutschland. Sogar die Anfänge vom Vereinsfußball in Betzenhausen haben damit zu tun …


Die ersten „Flugversuche“

Ein Exerzierplatz („Exi“) als Grundlage (1888–1906): Bevor der erste Propeller über Freiburg rotierte, war das Gelände nordwestlich vom Hauptfriedhof ein Schauplatz von Marschübungen. Eine Garnison gab es bereits vor 1888, aber dann wurde sie erweitert um die „Nord-/Erbgroßherzog-Friedrich-Kasernen“ und das zusammen mit einem großzügigen Exerzierplatz. Doch das ausgewählte Gebiet war zum großen Teil noch in Privat-Besitz (überwiegend Wiesen) und so wurden vorab zähe Verhandlungen mit den Besitzern erforderlich; teilweise kam es dabei auch zu Enteignungen. In dessen Zuge ist ein erster prominenter Name erwähnt: der spätere Reichskanzler Konstantin Fehrenbach. Doch von den wilhelminischen Marschübungen der Infanterie wurden visionäre Blicke schon bald nach oben gerichtet: Die Geburtsstunde der Freiburger Luftfahrt kündigte sich an. Erster Flug über den späteren Flugplatz Freiburg dürfte eine Ballonfahrt im Jahr 1907 gewesen.

Die Phase der Himmelsstürmer (1909–1913): In den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg wurde Freiburg zu einem bedeutenden Luftstützpunkt und stand gleichberechtigt neben Metropolen wie Frankfurt oder Berlin. Die Flugtage waren keine rein technischen Vorführungen, sondern gesellschaftliche Großereignisse. Der örtliche Verkehrsverein initiierte die „Freiburger Fest-Woche“ mit Konzerten und Theater nach Heidelberger Vorbild, um den Flugplatz als touristisches Aushängeschild zu etablieren. Drei dieser Fest-Wochen wollen wir erwähnen:

  • 1911 Erster Oberrheinischer Zuverlässigkeitsflug: Pioniere wie August Euler und Hellmuth Hirth begeisterten die Massen, während Böllerschüsse vom Schlossberg die Ankunft der Flugzeuge ankündigten.
  • 1912 Der Besuch der Zeppeline: Am 21. Mai kreiste Graf Zeppelin persönlich mit dem „Zeppelin 12“ über der Stadt. Ein weiterer Meilenstein war der erste Flug von vier Piloten über den Schwarzwald bis nach Konstanz.
  • 1913 Der Prinz-Heinrich-Preis: Jetzt war der Wettbewerb schon militärisch geprägt mit Ausbildung von Piloten in Überland-Flügen. Highlight war ein Weltrekord für Höhenlandungen, der mit einem Doppeldecker auf dem Feldberg aufgestellt wurde.
Im Plan von 1930 ist noch viel unbebautes Gelände bis hin zum Flugplatz.

Der Flugplatz in Kriegszeiten (1914–1918): Der zuvor beschriebene sportliche Enthusiasmus fand ein jähes Ende durch die militärischen Prioritäten ab 1914 und so wurde der Himmel über Freiburg für die zivile Fliegerei vorerst geschlossen. Der Flugplatz wurde zum hochgerüsteten Kriegsstützpunkt mit eigener Werft; stationiert war hier die Jagdstaffel 84 u.a. mit Maschinen vom Typ Fokker und Albatros. Wieder ein bekannter Name: Der spätere Reichsmarschall Hermann Göring erhielt hier im Sommer 1915 seine offizielle Pilotenausbildung. Das wurde in der späteren Zeit des Nationalsozialismus regelmäßig bei Veranstaltungen auf dem Flugplatz hervorgehoben.

Mit dem Ende des Krieges folgte kam es auch für den Flugplatz der „Absturz“: Durch den Versailler Vertrag fiel Freiburg nach 1918 in die Flugstille einer entmilitarisierten Zone. Das führte vorübergehend sogar zur Rückkehr von Ackerbau und Sportplätzen.


Zivile Nutzung und Fluglinien (1922–1932)

Der Wiederaufbau des zivilen Flugverkehrs in der Weimarer Republik war mühsam, vor allem auch im Wettbewerb mit anderen Regionen um die erforderlichen Subventionen (z.B. in Mannheim und Karlsruhe). Doch die Stadt investierte ab 1925 in die Instandsetzung; auch dank der Basler Fluggesellschaft „Balair“ blieb Freiburg am Netz: Sie betrieb in den Sommermonaten 1925 täglich die Strecke Basel – Mannheim mit Stopps in Freiburg und Baden-Baden. Es zeigte sich, dass gerade in Freiburg viele Gäste ein- oder ausstiegen. Im Einsatz war eine Fokker mit 6 Plätzen. Im gleichen Jahr wurde auch die „Luftverkehrsgesellschaft Schwarzwald“ aktiv: Sie bot regelmäßig Rundflüge über Freiburg und den Schwarzwald mit seinem wundervollen Gebirgspanorama. 

Aber erst die Linie nach Stuttgart (Böblingen) ab 1926 markierte den Durchbruch: Am Zielort gab es Lufthansa-Anschlussflüge in weitere Städte wie Berlin, München und auch Wien.  In Quellen wird der 3. Juli 1926 als Tag der Eröffnung genannt für diese tägliche Flugverbindung: Es sollte ein Test sein über die Sommermonate (bis Mitte Oktober). Zum Einsatz kam eine Junkers Maschine mit drei Plätzen für Passagiere. Es war das gleiche Jahr, in dem auch die „Luft Hansa“ gegründet wurde (dem Vorläufer der heutigen Lufthansa) und der Erstflug im April 1926 ging sogar über Böblingen.

Dornier-Merkur mit Personal der Fluglinie 26 „Freiburg-Stuttgart“ (1929)

Der Erfolg blieb nicht aus und so kam es genau ein Jahr später in Freiburg zur offiziellen Eröffnung einer Lufthansa-Fluglinie 26 zwischen Freiburg und Stuttgart und sie wurde zum Erfolg: bereits 1929/1930 lag diese Fluglinie auf einem Spitzenplatz im deutschen Reichsgebiet und wurde über 8 Monate ohne Unterbrechung beflogen. Jetzt waren es etwas größere Flugzeuge mit bis zu 5 Passagieren. Die Flugzeit je Strecke lag bei etwa einer Stunde. Die Vorteile der Linie wurden aktiv beworben; denn es ging ja schliesslich drei Stunden schneller als mit der Eisenbahn und das bei einem kaum höheren Ticketpreis. Sogar ein Zubringerdienst per Auto von und zum Flugplatz war im Preis enthalten (und auch 10 kg Gepäck).

Zum 2. Juni 1930 kam eine Linieverbindung Freiburg – Villingen – Konstanz hinzu (zumindest für einige Sommermonate), betrieben von der „Nordbayrischen Verkehrsflug-A.G.“. Unterschiedliche Flugzeuge sind für die Verbindungen genannt, meist mit Platz für 6 Personen, wovon zwei schon dem Flugpersonal vorbehalten waren (Modelle von Junkers, Messerschmitt oder Dornier). Überhaupt wurden im Laufe der Jahre immer mehr der gängigen Verkehrsflugzeuge für Start und Landung in Freiburg zugelassen. Nicht vergessen wollen wir die großen Feste anlässlich jährlicher Flugtage, die es jetzt auch wieder gab.

Im Jahr 1927 wurde eine Flugleitung der „Deutschen Lufthansa“ eingerichtet, die nebenbei auch für die Abfertigung von Flugpost ab Freiburg zuständig war. So stieg auch das Fracht- und Postaufkommen schnell an und auch da erreichte Freiburg ab 1928 auch eine landesweite Spitzenposition. Alle diese Entwicklungen waren auch ein guter Grund für den weiteren Ausbau der Infrastruktur; so kam beispielsweise schon im Jahr 1928 ein Flughafengebäude mit eigenem Turm für die Flugleitung.

Doch am Ende blieben die Erfolge nur für eine kurze Periode: Ab 1932 verlor sich die positive Entwicklung beim Flugplatz in der nationalsozialistischen Ideologie.


Im „Dritten Reich“ (1933–1941)

Frühes Anzeichen für die Entwicklung in den nächsten Jahren war der „Flaggenstreit“ vom 21. August 1932, als beim „SA-Flugtag“ die Lufthansa-Flagge eingeholt wurde, um sie durch die Hakenkreuzfahne zu ersetzen. In den Folgejahren wurde der Flugplatz zum Schauplatz nationalsozialistischer Machtdemonstration. Parallel folgte ein weiterer Ausbau in den Mooswald hinein, was sogar schon damals zu Protesten für Naturschutz führte. Ab 1937 befand sich hier der Fliegerhorst Freiburg.

Mit der endgültigen Übernahme durch die Luftwaffe im November 1941 endete jede städtische Mitbestimmung; übrig blieb die vollständig militärische Nutzung. Der Platz diente insbesondere als Ausbildungsstätte; im Krieg wurde er auch für aktive Einheiten der Luftwaffe genutzt, Instandsetzungen und als Zwischenlandeplatz. Das Ende dieses Kapitels endete 1944 mit der Zerstörung bei alliierten Luftangriffen.


Die letzten Jahrzehnte

Nach 1945 besetzten französische Truppen den Platz und nutzten ihn über viele Jahre als Militärflugplatz. Erst in den 1950er Jahren wurde schrittweise in Kooperation mit den Franzosen eine zivile Nutzung durch Sportflieger wieder ermöglicht. Ende der 1960er Jahre stand die Zukunft des Platzes wieder zur Diskussion, doch 1974 entschied sich der Gemeinderat für den Erhalt. Im Bürgerbescheid von 1995 bestätigte eine große Mehrheit den Fortbestand, auch wenn die Beteiligung eher bescheiden war (unter 30 %). So konnte der Flughafen bleiben: Mit aktuellen Verträgen zumindest bis 2031.

Der heutige Flugplatz Freiburg ist für den allgemeinen Luftverkehr (Motorflug, Segelflug, Hubschrauber) zugelassen, dient jedoch primär dem privaten und gewerblichen Verkehr. Erwähnen wollen wir auch die Ausbildung in Flugschulen, die Funktion als Hubschrauber-Stützpunkt der DRF Luftrettung und den Nutzen für Organtransporte der Uni-Klinik. Natürlich landen hier auch Messeflüge für Aussteller und Besucher, Gästen von TV-Shows und Sport (dabei insbesondere natürlich die Mannschaften bei SC-Spielen).

Im Gebiet um den Flugplatz herum hat sich in den vergangenen Jahren schon eine andere Verwendung gefunden: Mit Gebäuden der Universität oder im letzten Schritt mit dem Bau des neuen SC-Stadions. Mit Verlängerung der Landebahn auf 1.400 Meter im Jahr 2011 erfüllte man EU-Sicherheitsvorschriften. Aber alle Jahrzehnte wieder steht der Flugplatz zur Diskussion …


Sonstiges zum Flugplatz Freiburg

Kommen wir zurück zum anfänglichen Hinweis auf die Ursprünge vom Vereinsfußball in Betzenhausen. Ein erstes Trainingsgelände war nämlich der Exerzierplatz. Siehe unser Beitrag 100 Jahre Vereinsfußball in Betzenhausen.

Der Flugplatz Freiburg wird heute von der „Flugplatz Freiburg-Breisgau GmbH“ betrieben (eine Tochter der Stadtwerke Freiburg GmbH): Siehe www.freiburg-airport.de. Die (jährlichen) Feste auf dem Flugplatzgelände haben wir schon oben im Text erwähnt. Und es gibt das Familienfest auch heute noch, wenn auch etwas moderner klingend: Siehe OPEN AIRPORT Freiburg.

Natürlich ist der Flugplatz auch in Wikipedia erwähnt. Der Beitrag dort beschäftigt sich vor allem mit den letzten Jahrzehnten; entsprechend betreffen auch viele Quellenangaben diesen Zeitraum. Zusätzlich möchten wir auch die Geschichte der Lufthansa erwähnen, die ja ebenfalls im Jahr 1926 entstanden ist als Zusammenschluss von „Deutscher Aero Lloyd AG“ und „Junkers Luftverkehr AG“. Das geschah nicht ganz freiwillig und es waren wohl nicht nur zivile Ziele dahinter (siehe z.B. Beitrag zur Lufthansa auf Wikipedia).

Historisch weiter zurück geht eine Ausgabe der Freiburger Stadthefte: „Die Geschichte des Freiburger Flugplatzes“ von Walter Vetter (1969 bzw. 1974). Eine enorm detaillierte Beschreibung der ersten Jahrzehnte Freiburger Flugplatz-Geschichte. Der Beitrag ist im Stadtarchiv zu finden und gelegentlich noch in einem Antiquariat.

Wie sprechen im Beitrag hier überwiegend von der Fluglinie Freiburg-Stuttgart. In Wirklichkeit war der Zielflughafen aber zu jener Zeit Böblingen und dort ist diese historische Verbindung auch sehr schön dokumentiert. Siehe Beitrag „Freiburg sucht Anschluss“ auf www.flughafenbb.com.  Mit dem Erstflug im April 1926 begann ausgerechnet in Böblingen auch die Geschichte der Luft Hansa, wie nachfolgend in zwei Zeitungsartikels beschrieben ist (siehe Beitrag „1926 Lufthansa“ auf www.flughafenbb.com.)

Gehen wir noch weiter zurück: Das heutige Flugplatz-Gelände war über Jahrhunderte als „große Bürgerviehweide“ bekannt. Es war das größte Allmend-Gebiet der Stadt Freiburg; der heutige Alemendweg erinnert daran. Da die Stadt bis ins 19. Jahrhundert agrarwirtschaftlich orientiert war und Vieh auch innerhalb der Stadtmauern hielt, wurden täglich große Herden durch das Predigertor und das Mönchstor auf die Bürgerviehweide getrieben. Die von der Stadt angestellten Hirten besaßen auf dem Gelände vom heutigen Flugplatz sogar eine feste Unterkunft, das „Hirtenhäusle“. Das zugehörige Gewann trug den Namen „Hirtenhäuslefeld“ und auch der heutige Hirtenweg in der Nähe vom Flughafen erinnert daran. Dieser kurze Rückblick ist den KuGe-Archivalien von Franz Flamm entnommen (siehe unser Beitrag zum Wirken von Franz Flamm).

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