50 Jahre Bürgerblättle
Seit Januar 1976 gibt es das Stadtteil-Magazin von Betzenhausen. Ein guter Anlass, um jetzt, 50 Jahre später, eine Rückschau zu halten. Damals konnte Willy Kapp, der damalige Vorsitzende des Bürgervereins, die Erstausgabe des „Bürgerblättle“ vorstellen. Zitat aus dem Einleitungstext der Erstausgabe: „Ziel und Zweck eines solchen Blattes soll es sein, die beiden Ortsteile enger miteinander zu verbinden, daß sie mit der Zeit zusammenwachsen mögen und so die Zusammenhörigkeit vertieft wird. Da das Gebiet Betzenhausen-Bischofslinde heute ca. 2400 Wohnungen umfaßt, wäre es nach Ansicht des Bürgervereins an der Zeit, unseren Mitbürgern mit zeitnahen Beiträgen aus dem Ortsgeschehen und aus den Vereinen und kirchlichen Institutionen, die in unserem Gebiet ansässig sind, zu informieren.“ Wenn damals von „Ortsteilen“ gesprochen wurde, dann waren mit heutigen Begriffen die Bezirke Alt-Betzenhausen und Betzenhausen-Bischofslinde gemeint.
Hintergrund: In den 1960er- und 1970er-Jahren war Betzenhausen in großem Maße gewachsen; insbesondere durch den komplett neuen Bezirk Betzenhausen-Bischofslinde. Folglich entstand um 1975 beim Bürgerverein der Gedanke an ein eigenes Stadtteil-Magazin, um die Bevölkerung besser einzubinden in die Themen des Stadtteils. Von der Idee zur Umsetzung ging es dann sogar recht schnell, denn die Druckerei Peter Lange in Landwasser war schon vorher mit einem reinen Anzeigenblatt gestartet. So kam es zu einer Kooperation, die 17 Jahre halten sollte: Der Bürgerverein von Betzenhausen zeichnete verantwortlich für die redaktionellen Inhalte, die Druckerei übernahm die Finanzierung über Anzeigen, Verteilung und Druck.

Die Erstausgabe vom Januar 1976 hatte sechs Seiten, in der Folgezeit sollten es überwiegend acht Seiten sein, die monatlich herausgegeben wurden. Zur vierten Ausgabe (April 1976) gab es schon ein erstes Resümee von Bernhard Wolk, der in den ersten Jahren die Redaktion übernommen hatte:
„Die ersten drei Ausgaben fanden vielfach freundliche Zustimmung, wofür gedankt wird. Es gibt, wenn auch wenige, kritische Äußerungen, vor allem dreierlei:
(1) Das „Bürgerblättle“ enthalte zu viele Annoncen.
(2) Das „Bürgerblättle“ enthalte zu wenig Berichte aus dem Stadtteil Bischofslinde.
(3) Auf ein gelegentliches süffiziantes Lächeln über den Titel „Bürgerblättle“ braucht wohl nicht näher eingegangen zu werden.“
Wir müssen in dieser Rückschau erwähnen: das Computer-Zeitalter steckte damals noch in den Kinderschuhen. In der Redaktion hatte man laut Bernhard Wolk eine Schreibmaschine mit Display zur Verfügung, was damals als sehr modern anzusehen war. Redaktionelle Beiträge wurden in zwei Spalten mit Blocksatz dargestellt; wie heute auch. Diese Texte wurden in der Druckerei im wahrsten Sinne des Wortes „geschnitten“, auf Seiten verteilt und mit Anzeigen kombiniert. Bernhard Wolk steuerte die Aufgaben in der Redaktion über mehr als 10 Jahre (bis zusätzliche berufliche Verpflichtungen dies nicht mehr zuließen).
Eine erste kritische Phase gab es schon Anfang der 1980er Jahre: das Interesse innerhalb der Bevölkerung schien nicht den Erwartungen zu entsprechen und „es habe zu viele Beschwerden über Erscheinungsdaten und Verteilung gegeben“ (so eine Einschätzung Ende 1981). Man entschied sich im Bürgerverein, das Bürgerblättle einzustellen. Aber im September 1983 folgte dann doch ein erfolgreiches Comeback; Willy Kapp schrieb aus Anlass des Wiedererscheinens: „Aus verschiedenen Gründen ist das Bürgerblättle seit Januar 1982 nicht mehr erschienen, was vielfach als Mangel empfunden wurde… Dem Bürgerblättle wünscht der Vorstand viel Erfolg“.
Diese guten Wünsche haben erfreulicherweise bis heute geholfen. Ab 1994 stellte man um auf sechs Ausgaben im Jahr, das Bügerblättle erschien also nur noch alle zwei Monate wie auch heute. Dafür wurden aber die einzelnen Hefte umfangreicher. Für einige Jahre wechselte man sogar auf quartalsweise Ausgaben (1996 bis 2006). Im Juni 1995 konnte man das Titelblatt erstmals farbig sehen, ab 2009 war es das komplette Heft. Zu der Zeit war natürlich auch der PC längst zum zentralen Werkzeug der Redaktion geworden. Seit 2008 sind PDF-Versionen verfügbar, die im Online-Archiv des Bürgervereins abrufbar sind.
Das Bürgerblättle hat heute durchschnittlich 32 Seiten bei einer Auflage von über 6.000 Exemplaren. Das erste Heft im Jahr 2026 (Febr./März) trägt die Ausgabe Nr. 365. Seit vielen Jahren gibt es als Erkennungszeichen ein rotes Banner auf dem Titelblatt mit dem Wappen von Betzenhausen.
Ein Stadtteil-Magazin, das über 50 Jahre die Themen im Stadtteil beschreibt, wird damit automatisch eine Art Zeitzeuge und bekommt so auch einen historischen Wert. Zum Glück wird im Archiv des Bürgervereins eine komplette Sammlung mit je einem Exemplar aufbewahrt. Eine zweite Linie aller Bürgerblättle führt der KuGe: dort wurden im Laufe der Zeit auch viele ältere Beiträge digitalisiert, was natürlich Recherchen vereinfacht. In den 50 Jahren gab es mehrfach Anlass für Sonderausgaben oder Beilagen zum Bürgerblättle (wie z.B. zur Landesgartenschau 1986). Auch diese Sonderhefte sind überwiegend als PDF verfügbar (siehe WebSeite des Bürgervereins).
Herausgeber des Bürgerblättle ist nach wie vor der Bürgerverein: von dessen Arbeit zu berichten, war ja immer ein zentrales Anliegen. Das Magazin bietet aber auch anderen Vereinen, Institutionen und Kirchen im Stadtteil die Möglichkeit, ihre Themen darzustellen und z.B. über Termine und Veranstaltungen zu informieren. Auch der Kultur- und Geschichtskreis (KuGe) ist regelmäßig mit Beiträgen vertreten (sie sind zum Teil auch hier auf der KuGe-WebSeite abrufbar).
Zum 50-ten Geburtstagn möchten wir all denjenigen danken, die bis heute in der Redakion des Bürgerblättle gearbeitet haben (ehrenamtlich): beginnend bei Bernhard Wolk, den wir schon oben erwähnt haben. Ein Dank geht auch an die Menschen im Stadtteil, die sich über die vielen Jahre mit ihren Beiträgen am Bürgerblättle beteiligt haben (zu manchen Themen sogar mit Beitrags-Serien). Ein besonderer Dank an diejenigen Institutionen und Unternehmen, die mit ihren Inseraten die wirtschaftliche Basis für den Erfolg geschaffen haben.
Die „Lokalnachrichten“ als Vorgeschichte

Seit Mitte der 1950er-Jahre gab es die „Lokalnachrichten aus Freiburg-West und Betzenhausen“: diese Hefte erschienen mit drei Ausgaben im Jahr (Ostern, Sommer, Weihnachten); sie hatten DIN-A5-Format mit bis zu 32 Seiten. Herausgegeben wurden die Lokalnachrichten vom Lokalverein Freiburg-West, dem späteren Bürgerverein Mooswald. Dort konnten aber auch Vereine und Institutionen aus Betzenhausen über ihre Themen berichten.
Auch viele Ausgaben der Lokalnachrichten sind im KuGe-Archiv zu finden. Sie geben heute einen spannenden Einblick in die Themen, die in diesen Jahren im Stadtteil relevant waren. Dazu gehören Bauvorhaben wie die Entstehung vom neuen Bezirk Bischofslinde und die große Erweiterung von Alt-Betzenhausen auf Höhe Betzenhauser Torplatz, der Ausbau der Sundgauallee als Nachfolger von Teilen der Lehener Straße, die Westrandstrasse (heute Paduaallee) und natürlich auch die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr.
