Betzenhauser Kicker auf Weltreise

Mitte der 1970er Jahre (also vor etwa 50 Jahren) waren die Fußballer der „Eintracht DJK Freiburg“ weltweit unterwegs. Zum Kicken in ferne Länder reisen: Das sind ja häufig nur Wunschträume, für die damaligen Kicker bei der Eintracht hier in Betzenhausen wurden es tatsächlich erlebte Abenteuerreisen.

Weltweites Reisefieber

Dass renomierte Fußball-Clubs um die Welt reisen ist heute eine Selbstverständlichkeit. Für Profi-Mannschaften der 1970er Jahre auch schon üblich: aber für eine Mannschaft aus der “zweiten Reihe” wie die Eintracht aber eine absolute Ausnahme. Die Begeisterung der Menschen vorort für die Eintracht war überall riesig: vielleicht auch, weil der deutsche Fußball zu der Zeit einen ganz besonders guten Ruf hatte (und der Name Beckenbauer ist auch heute noch Inbegriff dafür).

Ein paar Ziele der Reisen

Im Jahr 1972 führte die erste größere Tour für gut 2 Wochen nach Afrika: im Zentrum stand ein Spiel in Jaunde, der Hauptstadt Kameruns, gegen eine Auswahl des Landes. Der deutsche Nationaltrainer dort hatte die Sache vermittelt. Am Ende verlor die Eintracht nur 0:1. Später folgten Spiele gegen die Nationalmannschaften von Sudan, Uganda und Gabun (selbst in überregionalen deutschen Zeitungen wurde berichtet).

Ostern 1973 ging es für 3 Wochen nach Mittelamerika, insbesondere Honduras. Dort spielte man vor 12.000 begeisterten Zuschauer und doch völlig umsonst: der Erlös sollte der Förderung von Sportlern im Gastgeberland dienen.  Gleichzeitig war der Rundfunk von Honduras mit einer Live-Übertragung dabei. Auch hier gab es wieder ein 0:1, aber das relativiert sich schnell: Bundesliga-Club Werder Bremen mußte kurz vorher noch mit einem 1:1 nach Hause fahren.

Zur Jahreswende 1973/74 zog es die Eintracht in die Karibische See, also Dominikanischen Republik (Santo Domingo) und Haiti. Überall wurde die Mannschaft aus Freiburg begeistert begrüsst. In Santo Domingo verlor man leider 2:1 gegen eine einheimische Auswahl. Ein beeindruckender, offizieller Empfang danach hat die Niederlage aber wohl schnell vergessen lassen. Eine echte Herausforderung wurde dabei die Weiterfahrt nach Haiti, denn dort herrschte zu jener Zeit noch Diktator Duvalier: das Land war abgeschottet und die Grenze eigentlich geschlossen. Letztendlich machte eine Sondergenehmigung beider Staats-Chefs die Weiterfahrt erst möglich (siehe Bericht oben). Der Aufwand wurde belohnt, denn das Spiel gegen den damaligen haitianischen Meister Athletique Violet Port au Prince wollten ca. 20.000 begeisterte Zuschauer sehen. Es war ein Spiel Amateure gegen Profis; gab es in der Mannschaft von Port au Prince doch mehrere Nationalspieler, von denen sechs im Folgejahr sogar bei der Weltmeisterschaft in Deutschland dabei waren (sie setzten dabei sogar Italien ordentlich unter Druck). Aber auch hier schlug sich die Eintracht bestens und verlor nur 1:3.

Bild aus einer Saudi-Arabische Zeitung: Fritz Schreiber (links), Mitglieder des Königshauses und der deutsche Generalkonsul (rechts)

Als besonderer Knüller folgte im Frühjahr 1975 eine Reise nach Saudi-Arabien in die Hauptstadt Riad: als erster deutscher Club, vermutlich sogar als erste europäische Fußballmannschaft, konnte die Eintracht dort aufspielen. Es war die Zeit von König Feisal und schon deshalb war eine solche Reise ungewöhnlich: schon damals drehte sich alles ums Öl, aber ansonsten war das Land sehr verschlossen und nicht einmal Touristen durften einreisen. Aber der Sohn des Königs war 1974 bei der Weltmeisterschaft in München anwesend und hatte sich als Fußballfan geoutet. Also nahm Fritz Schreiber unmittelbar nach der WM Kontakt auf über das deutsche Konsulat: die Antwort kam prompt und eine  baldige Einladung zum Spiel gegen eine Auswahl Saudiarabiens. Aber ein Ziel reichte der Eintracht zu jener Zeit nie: also ging es von Saudi-Arabien weiter nach Bangkok, um dort gegen eine Auswahl von Thailand anzutreten (etwa 20.000 Zuschauer sollen dabei gewesen sein). Über Bali ging es weiter zu einem Spiel in Surabaya auf Sumatra. Für den Rückweg nutze man Stops in Djakarta und Singapur.

Doch damit nicht genug für das Jahr 1975: Ende Dezember ging es auf eine abenteuerliche Reise durch Afrika mit Stationen in Ägypten, Sudan, Uganda und dann bis nach Südafrika. Auch da waren wieder Spiele mit bis zu 35.000 Besuchern dabei.

Wie es zu den Reisen kam

Wie konnte das einem Verein aus der Kreisklasse gelingen, so wird man sich heute fragen. Die Antwort lautet: Es war der legendäre Fritz Schreiber, Wirt des Gasthofs „Grünhof“ und Leiter des Spielausschusses bei der Betzenhauser Eintracht, der die Reisen einschließlich der damit verbundenen „Auswärtsspiele“ organisierte. Er hatte in seiner Jugend als Koch auf der ganzen Welt gearbeitet. Er war, wie man heute sagen würde, hervorragend vernetzt und es gab wohl kaum ein Land in der Welt, zu dem er nicht eine Kontaktadresse aus der Tasche ziehen konnte.

Die erste Idee dazu war aber vielleicht auch nur eine “Schnapsidee”: gewachsen insbesondere bei jungen Spielern, die als Studenten damals wie heute ihre “Auslandsverbindungen” hatten. Gemeinsame Abende im Grünhof sollen der Idee Auftrieb gegeben haben.

Die Kosten dieser Reisen – sie gingen ja sogar über mehrere Wochen – wurden in hohem Maß von den Teilnehmenden selbst getragen, die gleichzeitig auch ihren Urlaub dafür nahmen.  “All-Inclusive”-Einladungen wie z.B. aus Saudiarabien waren eine Ausnahme: dafür gab es neben den Spielen aber auch viel zu erleben (wie z.B. Exotik, Strand und Meer, aber auch offizielle Empfänge oder vor allem viele begeisterte Zuschauer).

 


Sonstiges

Noch ausführlicher sind die weltweiten Reisen der Eintracht auf der Seite des Bürgervereins beschrieben, siehe hier.

Passend zum Thema konnten wir im Jahr 2020 auf 100 Jahre Fußball in Betzenhausen zurückblicken.

 

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