Eintracht Freiburg in Mittelamerika (1973)

Mitte der 1970er Jahre (also vor etwa 50 Jahren) waren die Fußballer der „Eintracht DJK Freiburg“ weltweit unterwegs. Für eine Amateurmannschaft war das damals natürlich eine völlige Ausnahme. Die Hintergründe und was da alles passierte, haben wir in einem eigenen Beitrag Betzenhauser Kicker auf Weltreise zusammengefasst.


Eine der Reisen ging zur Osterzeit 1973 für knapp drei Wochen nach Mittelamerika, insbesondere Honduras (13.-31.4.). Ein Arzt an der Freiburger Uniklinik hatte Fritz Schreiber einige Adressen in Honduras vermittelt, unter anderem auch die von Dr. Federico Fortín, dem Präsidenten des Olympischen Komitees von Honduras. Der Vorschlag der Eintracht: Wir spielen einmal ohne Honorar. Der Erlös sollte der Teilnahme der honduranischen Sportler bei den Panamerikanischen Spielen zugutekommen. Die Einladung kam prompt. Also bestiegen die Freiburger kurz vor Ostern in Luxemburg eine Maschine und flogen für drei Wochen über den „Großen Teich“. Doch zuerst gab es noch mehrere Stopps mit ausführlichem Besichtigungsprogramm: Nassau auf den Bahamas, Miami in Florida und Mexiko-City.

Die Mannschaft des ersten Spiels in einer lokalen Zeitung

Dann ging es per Flugzeug weiter nach Tegucigalpa, der Hauptstadt von Honduras. Schon auf dem Flugplatz wurde das Team der Eintracht vom Geschäftsträger der Deutschen Botschaft und dem Präsidenten des Olympischen Komitees von Honduras auf dem Flugplatz begrüßt. Beim ersten Empfang konnte man den Gastgebern neben anderen Geschenken auch das dreisprachige Buch „Bezauberndes Freiburg“ überreichen, das der Erste Bürgermeister der Stadt Freiburg, Dr. Graf, dem Verein mitgegeben hatte (inklusive einer Anzahl von Trachtenpüppchen). Acht Tage dauerte der Aufenthalt in Honduras und es waren zwei Fußballspiele geplant.

In der honduranischen Hauptstadt Tegucigalpa stieg am 24. April 1973 im Estadio Nacional vor 12.000 Zuschauern das große Spiel gegen die Mannschaft von C.D. Motagua (Club Deportivo Motagua): Einer der erfolgreichsten Vereine im Lande und damals auch Tabellenführer der nationalen Liga. Sogar der Rundfunk von Honduras war mit einer Live-Übertragung dabei. In den lokalen Spielberichten war Motagua drückend überlegen und man kritisierte, das der Mannschaft nur ein einziges Tor gelang. Die Eintracht verlor also „nur“ 0:1, aber Fritz Schreiber stellte gleich klar, „in dieser tropischen Hitze hat Werder Bremen gegen diese Mannschaft auch nur 1:1 gespielt“.  Wie vorab vereinbart, spielte die Eintracht trotz der vielen Besucher ohne Honorar und der Erlös konnte der Förderung von Sportlern im Gastgeberland dienen. Kurzfristig war wohl ein Rückspiel im Gespräch, aber das konnte man in der Reiseplanung nicht mehr unterbringen.

Gemeinsames Foto in einer lokalen Zeitung mit Spielern beider Mannschaften und Flagge vor dem zweiten Spiel.

Am Folgetag ging es weiter zum zweiten Spiel nach San Pedro Sula, das wirtschaftliche Zentrum von Honduras und damals sogar noch die größte Stadt im Land. „Es ist noch heißer als in Tegucigalpa“, so war der erste Eindruck bei den Spielern. Das vorgesehene Spiel war für den Abend geplant: also gab es davor noch Zeit für ein Besichtigungsprogramm und für mehrere Interviews mit der lokalen Presse. Es war sehr hilfreich, das im Team der Eintracht auch ein Mann aus Haiti unterwegs war, der zu jener Zeit in Freiburg studierte und so als Übersetzer helfen konnte. In der ausführlichen Berichterstattung vor dem Spiel wurden sogar einzelne Eintracht-Spieler mit Fotos hervorgehoben.

Im Morazán-Stadion von San Pedro Sula spielte die Eintracht am 26. April 1973 gegen den „Club Deportivo Marathón“: auch das ein prominenter Name im Land und zu dem Zeitpunkt war dies sogar die einzig ungeschlagene Mannschaft in der Liga Nacional. Die Kicker aus Betzenhausen hatten leider keinen guten Tag und so wurde auch diese Partie wieder sehr einseitig. Die Mannschaft beim Club Marathón erkannte wohl recht schnell, dass hier kein ernsthafter Gegner auf dem Platz stand und so spielte man – laut lokalen Presseberichten – eher im Schongang mit Blick auf die aktuelle Meisterschafts-Saison. In der ersten Halbzeit fielen zwei Tore, in der zweiten noch ein weiteres und so verlor die Eintracht klar mit 0:3.

Letzte Anmerkungen: In der Saison 1973/74 der Liga Nacional gewann C.D. Motagua die Meisterschaft; knapp vor Club Marathón. Die Eintracht hatte also gegen die beiden Top-Mannschaften des Landes gespielt. Fritz Schreiber ergänzte in einem Interview: „Das Wetter war unser größter Feind, und außerdem fehlen uns mehrere Stammspieler, vor allem im Angriff.“


Bei diesen Reisen sollte es ja nicht nur um Fußball gehen: folglich stand als Nächstes ein Besuch in die Urwaldstadt Copan auf dem Programm mit den Tempeln der Mayakultur. Die letzte Station bildeten ein paar Tage in Guatemala-City. Schon bei der Anreise hatte das ganze Team drei Tage in Mexiko City verbracht und dabei nicht nur die Hauptstadt erlebt, sondern auch die vor-aztekische heilige Stadt Teotihuacán besucht, plus Bootsfahrt auf dem See von Xochimilco.


Sonstiges zu den Reisen der Eintracht

Ende des gleichen Jahres 1973 folgte Die Karibik-Reise der Eintracht.

Eine Übersicht und allgemeine Hintergründe bietet unser Beitrag Betzenhauser Kicker auf Weltreise.

Passend zum Thema konnten wir im Jahr 2020 auf 100 Jahre Fußball in Betzenhausen zurückblicken.

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