Die Ökostation

Aktuelles: Jubiläum-Feier zu 40 Jahre Ökostation am Samstag, 18. April 2026. Im April 1986 wurde die Ökostation im Seepark von Freiburg-Betzenhausen eröffnet, zusammen mit der Landesgartenschau.
Zu diesem Jubiläums-Tag möchte auch der KuGe ganz herzlich einladen! Ein buntes Programm zwischen 14:00 und 19:00 Uhr ist vorgesehen direkt an der Ökostation. Siehe dazu www.oekostation.de.
Im Beitrag hier soll die Geschichte der Ökostation im Zentrum stehen.
Die Vorgeschichte
Die Idee eines ökologischen Zentrums in Freiburg gab es beim Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) schon ab Ende der 1970er Jahre. Das Projekt blieb aber aus verschiedenen Gründen beim Status einer Idee. Aber als 1982 bekannt wurde, dass Freiburg eine Landesgartenschau ausrichtet, wurde der BUND aktiv und trat mit seinen Überlegungen an die Stadt heran. Dadurch ergaben sich schon nach kurzen Verhandlungen konkrete Schritte für das gemeinsame Öko-Projekt. Die Planungen für die Landesgartenschau lag in Händen der Werkgruppe Lahr.
Eile war vor allem auch deshalb geboten, weil mit dem Hauptgebäude auch eine Stadtlaube mit Rankgerüst gebaut werden sollte. Deren Begrünung würde ja einiges an Zeit benötigen. Also wurden schon bald Eckpunkte für die Umsetzung definiert: April 1984 zur Fertigstellung des Rankgerüstes an der Stadtlaube und gleichzeitig erster Spatenstich bei dem geplanten Naturhaus (der heutigen Ökostation). Die LGS 1986 wurde zur Geburtsstunde der Ökostation.
Auf der Landesgartenschau 1986
Mit dieser Ausstellung wurde der Seepark in Betzenhausen gestaltet auf Basis vom Flückigersee, einem früheren Baggersee. Mit der Ausstellung wollte man vor allem auch beim Thema Ökologie punkten: Ein uriges Holzhaus war deshalb ein willkommener Teil dieses Plans und wurde schon bald zu einer der Hauptattraktionen. Ein Naturhaus mit Lehmwänden, einem Grasdach, einer Solaranlage und einem Bio-Garten zur Selbstversorgung. Die Leitung bei diesem ökologischen Modellprojekt hatte der Landesverband des BUND. Architekt war Udo-Falk Grab aus Münstertal. Anspruchsvoll waren wohl auch die Aufgaben des Statikers Harald Rheinberger: vor allem in Bezug auf die außergewöhnliche Rundholzkonstruktion beim Dach im Haupthaus.
Doch dann der frühe Schock: Eine Woche nach Eröffnung der Ausstellung kam es in Tschernobyl zur Kernschmelze, ein Supergau mit verstrahlten Menschen und verstrahlter Natur. Wurde das Ökohaus also gleich zu einer „ökologischen Utopie“? Doch die Menschen kamen weiterhin in den Freiburger Westen, die Ausstellung wurde ein großer Erfolg und ganz besonders auch die Ökostation.

Während der Ausstellungszeit lief ein buntes Veranstaltungsprogramm, um ökologisches Leben erfahrbar zu machen: Man konnte etwas erfahren über Ökolandbau, gesunde Ernährung, Energiesparen uvm. Es gab einen ökologischen Waschtag und sogar Brotbacken war ein Thema (wie heute noch regelmäßig), allerdings waren die Brötchen wohl teilweise noch etwas hart. Es waren alles Themen, die auch das Angebot der Ökostation bis heute prägen sollten.
Die Ökostation wurde sogar zu einer der größten Attraktionen der Landesgartenschau und wurde in der Zeit der Ausstellung von über 1 Mio. Gästen besucht. Am Ende waren es vor allem auch die positiven Rückmeldungen der Gäste, die das weitere Leben des Experiments Ökostation erst ermöglichten: Erst der messbare Erfolg brachte den BUND Landesverband dazu, die Ökostation als Bildungsstätte weiterzubetreiben.
Ein Leben nach der LGS 1986
Doch dieses (erste) Leben nach der LGS war sehr kurz: im Februar 1987 zerstörte ein Brand die Ökostation. Insbesondere OB Rolf Böhme war es zu verdanken, dass die Stadt Freiburg sich für den Neuaufbau engagierte. Auch wenn es am Ende mehrere Jahre dauerte: im September 1991 war eine neue Ökostation fertiggestellt. In Grundaufbau wie die erste Version, aber doch auch mit einigen technischen Neuerungen und angepasst an modernere Umwelttechnikstandards. Architekt diesmal das Freiburger „Planungsbüro Ökologisches und Gesundes Bauen Möhrle“.

Das neue Haus überzeugte mit dem „Charme einer perfekten Baubiologie“ wie es Peter Heller als damaliger Umweltbürgermeister beschrieb. Ab dann folgten Fachseminare, Exkursionen und viele Ausstellungen zum ökologischen Bauen, zur Abfallvermeidung, Naturschutz uvm. Im Jahr 1992 wurde Freiburg als Ökohauptstadt ausgezeichnet und da wollten besonders viele Besucher die Ökostation am Seepark erleben.
Die Ökostation besteht aus einer Rundholzkonstruktion, bei der man nur einheimische Bäume verwendete. Und Wiederverwertung wurde versucht: Ein Großteil der verwendeten Backsteine und Ziegel stammte aus abgerissenen Häusern (sogar bei Glas). Lehm wurde verwendet bei nichttragenden Wänden. Solarkollektoren wurden installiert und Kollektoren für Heizungswärme. So wurde die Ökostation am Ende fast energieautark.
Wichtiger Bestandteil der Einrichtung sind Naturgärten: Sie wurden mit der ersten Ökostation 1986 angelegt und bedecken eine Fläche von etwa 2.500 m². Wie alle Teile der Ökostation sind auch die Gärten für die Öffentlichkeit frei zugänglich und sie sind ein wichtiger Bestandteil im pädagogischen Programm (z.B. als Basis für das „grüne Klassenzimmer“).
Jährlich besuchen rund 15.000 Menschen die Ökostation bzw. die angrenzenden 3.000 m² großen Biogarten mit Streuobstwiesen. Es ist eine der ältesten Einrichtungen dieser Art in Deutschland.
Ein tragisches Ereignis aus den Anfangsjahren müssen wir noch erwähnen: im November 1995 wurde eine Praktikantin Opfer eines Mordanschlags bei der Ökostation. Solidarität und Rückhalt in Freiburg Bevölkerung war groß. Die Folge war auch eine Pause von 3 Monaten, in dem sogar Teile des Außenbereichs abgerissen oder umgebaut wurden. Ziel sollte es sein, den Bereich um die Ökostation freier und besser einsehbar zu gestalten. Zur Erinnerung pflanzte man vor der Ökostation eine Linde.
Sonstiges zur Ökostation
Etwas Besonderes an der Ökostation ist natürlich die Gestaltung des Gebäudes; dazu haben wir einen eigenen Beitrag erstellt, siehe Architektur der Ökostation.
Das Programm der Ökostation bzw. aktuelle Veranstaltungen sind natürlich auf der zugehörigen Webseite zu finden; siehe www.oekostation.de.
Natürlich wollen wir auch hier wieder den Eintrag zur Ökostation auf Wikipedia erwähnen.
Nicht nur die Ökostation ist von der LGS 86 geblieben, es sind auch einige andere Bauten und Kunstobjekte zu bewundern; und natürlich auch der Seepark selbst. Siehe unser Beitrag zur Landesgartenschau 1986.
