Die Eintracht in Saudi-Arabien (1975)

Mitte der 1970er Jahre (also vor etwa 50 Jahren) waren die Fußballer der „Eintracht DJK Freiburg“ weltweit unterwegs. Für eine Amateurmannschaft war das damals natürlich eine völlige Ausnahme. Die Hintergründe und was da alles passierte, haben wir in einem eigenen Beitrag Betzenhauser Kicker auf Weltreise zusammengefasst.


Hier soll es im Detail um eine Reise im März 1975 in Richtung Asien gehen, und dabei insbesondere um den Stopp mit zwei Fußballspielen in Saudi-Arabien: so wurde die Eintracht zur ersten deutschen Mannschaft, die dort spielen konnte. Vermutlich war es sogar die erste europäische Fußballmannschaft; in gewissem Sinne war die Eintracht also Wegbereiter für heutige Stars wie Ronaldo und Neymar.

Gastspiele in Saudi-Arabien

Kurz zur Vorgeschichte: Es war die Zeit von König Feisal in Saudi-Arabien. Schon damals drehte sich alles ums Öl, aber ansonsten war das Land sehr verschlossen und nicht einmal Touristen durften einreisen. Doch der Sohn des Königs, Prinz Faisal Ben Fahad Ben Abdulassiz, war 1974 bei der Weltmeisterschaft in München anwesend und hatte sich in einer Sportzeitschrift als Fußballfan zu erkennen gegeben. Er war ja schließlich auch Minister für Sport und Jugend.

Bild in einer Saudi-Arabischen-Zeitung: Fritz Schreiber (links) neben Prinz Faisal Ben Fahad und dem deutschen Generalkonsul beim Spiel in Riad.

Also nahm Fritz Schreiber vom Spielausschuss der Eintracht nach der WM Kontakt mit dem deutschen Konsulat: Eine Antwort kam schon bald direkt vom Prinzen; verbunden mit einer Einladung zum baldigen Spiel gegen eine Auswahl Saudi-Arabiens (man telegrafierte damals). Fritz Schreiber unterstrich die Bedeutung der Reise und schlug gleich zwei Fußballspiele mit seiner Mannschaft vor. Dafür wurde der 17. und 19. März 1975 vereinbart. Von saudi-arabischer Seite wurde freie Kost und Logis zugesichert und sogar ein Honorar für beide Fußballbegegnungen. Die Badische Zeitung sprach vorab von einem echten Knüller, denn man muss bedenken, dass eigentlich noch keine Touristen einreisen durften in das Land von König Feisal.

Der Hinflug führte über eine Zwischenlandung in Bahrein. Dort traf man zufällig auf Karl Holzamer, den damaligen Intendanten des Zweiten Deutschen Fernsehens: Er war auf dem Weg in die Volksrepublik China und wünschte dem Team aus Freiburg natürlich viel Glück für dieses Fußballabenteuer. Im Anschluss an die Reise kam es ja sogar zu einem Bericht im ZDF-Sportstudio (siehe Hinweis unten). Nebenbei: Die Zahl der Personen, die nach Saudi-Arabien einreisen durften, war begrenzt auf 25 Mann. Für Frauen und Fans der Eintracht waren die Tore zu Faisals Reich noch explizit verschlossen: Sie flogen ab Bahrein direkt weiter nach Bangkok.

Bei der nachfolgenden Landung auf dem internationalen Airport Dhahran in Saudi-Arabien wurde man nicht nur von feuchtheißer Luft begrüßt, sondern auch von mehreren Repräsentanten des Ministeriums für Sport und Jugend. Per Bus ging es weiter durch die Wüste zur Hafenstadt Dammam im Osten des Landes. Schon am nächsten Tag kam es dort, bei Schwüle und Hitze um die 30 Grad, zum ersten Spiel gegen einen lokalen Verein. Die Fußball-Fans standen Schlange: Am Ende waren es 14.000 Zuschauer im überfüllten Stadion. Das Spiel ging knapp mit 0:1 verloren: Offensichtlich war man mit dem Ergebnis zufrieden und so mancher Zuschauer stürmte zur Kabine der Freiburger Fußballer.

Spielszenen vom Spiel in Riad in einem Zeitungsbericht vom 20.3.1975

Beeindruckend auch wieder der Empfang am Flughafen der Hauptstadt Riad, der nächsten Station der Reise. Mit weißen Cadillacs wurde man zum Luxushotel „Stern des Orients“ gebracht, wo direkt schon saudische Fernsehteams warteten für eine Presse-Konferenz. Hier stand wohl schon gelegentlich die Frage im Raum, ob denn auch ob denn auch Stars der Nationalmannschaft wie Beckenbauer und Müller dabei seien.

Das Spiel der Freiburger am nächsten Tag (19. März 1975) gegen eine Militär-Auswahl aus Riad wurde zum sportlichen Höhepunkt der fünftägigen Reise. Angeblich beendeten sogar Ministerien der Stadt um 14:00 Uhr ihre Tätigkeit. Das Stadion der Stadt füllt sich mit geschätzt 24.000 Fußballfans. Darunter auch viel Prominenz; u.a. war auch Prinz Faisal Ben Fahad Ben Abdulassiz anwesend und nahm Platz neben Fritz Schreiber. Dieser hatte als Geschenk einen Bildband der Stadt Freiburg dabei. Unten den Zuschauer waren auch einige Deutsche, die gerade auf Baustellen in Saudi-Arabien tätig arbeiteten. Darunter sogar zwei Gastarbeiter aus Breisach, die sich über ein Transparent mit badischem Gruß ins Bild brachten.

Foto eines Teilnehmers: die Kamera vom saudi-arabisches Fernsehen

Das saudi-arabische Fernsehen schickte einen Übertragungswagen. Unbarmherzig brannte die pralle Nachmittagssonne auf den staubigen Platz, der ein Mix aus Sand- und Rasenplatz war. Sport nach 18 Uhr, also in kühlerer Tageszeit, hätte gegen den Koran verstoßen. Es waren also keine besonders guten Bedingungen für die Freiburger und so wurde es am Ende eine 0:3 Niederlage. Das Publikum war mit dem Sieg über die Mannschaft aus dem Weltmeister-Land natürlich zufrieden. Zum Abend hin wurde man vom Präsidenten des saudi-arabischen Fußballverbandes zum Bankett geladen. Dort fand auch Prinz Feisal Ben Fahad freundliche Worte: „Mit ihrem guten Auftreten haben sie hier eine Menge Freunde gewonnen.“ Parallel wurde das Spiel im saudi-arabischen Fernsehen gezeigt und wohl auch in „umliegenden Scheichtümern“ (so ein damaliger Presse-Beitrag).

Man darf nicht übersehen: Vorab war das Fußballspiel durch seitenlange Presseberichte zu einem wichtigen sportlichen Treffen zwischen der Bundesrepublik und Saudi-Arabien aufgewertet worden. Doch im Laufe der Zeit fiel natürlich auch den Gastgebern auf, dass die Freiburger Amateurmannschaft doch nicht ganz das bieten konnte, was man sich eigentlich von einem Team aus dem Land des frisch gebackenen Weltmeisters erhofft hatte. In den Zeitungs-Kritiken am Tag darauf kommt auch diese Enttäuschung zum Ausdruck, aber auch Lob für die Eintracht. Vor allem Eintracht-Torhüter Eckhardt wird erwähnt, der nicht nur einen Elfmeter hielt, sondern auch in vielen anderen Situationen eine höhere Niederlage verhindert (zu diesem Torwart gehörte ohnehin noch eine besondere Geschichte, siehe weiter unten).

Am Ende dieser Reise zählten aber die Spielergebnisse nicht so sehr, sondern nur der Umstand, dass die Reise in der Form überhaupt möglich wurde. Bernhard von der Planitz, damals der Erste Sekretär der deutschen Botschaft in Saudi-Arabien, formulierte deshalb als Resümee gegenüber Fritz Schreiber: „Sie sind genau im rechten Augenblick gekommen.“


Was noch zu sagen wäre …

  • Auch im deutschen Sport-Fernsehen berichtete man über die Reise. Thema waren natürlich die Erwartungen der Gastgeber auf prominentere Spieler und wohl auch eine Verwechslung mit der Eintracht aus Frankfurt.
  • Aktuell sind uns schon fünf lange Presseartikel in saudi-arabischen Zeitungen bekannt.
  • Was tun, wenn man eine solche Reise vor sich hat, aber noch keinen Torhüter? In diesem Fall kann ein Zufall helfen: Der mehrfach gelobte Eintracht-Torhüter Eckhardt kam im Grunde erst am Flughafen in Frankfurt zum Team; in einem Beitrag der Giessener Zeitung im Jahr 2023 ist seine besondere Geschichte beschrieben.
  • Am 25. März 1975, also nur wenige Tage nach dem Spiel der Eintracht in Saudi-Arabien, kam es zu einem tödlichen Anschlag auf den damaligen König Feisal: Der hatte das Land seit 1964 regiert und dabei auch schon erste Schritte zur Modernisierung eingeleitet (z.B. die Einführung des Fernsehens).

Der KuGe ist weiterhin interessiert an (Zeitungs-)Berichten und auch Bildern von den Reisen der Eintracht.


Weiter geht es in Richtung Asien

Ein Ziel allein reichte der Eintracht zu jener Zeit eigentlich nie: also ging es von Saudi-Arabien weiter nach Bangkok, um am 21. März gegen eine Auswahl von Thailand anzutreten (etwa 20.000 Zuschauer sollen dabei gewesen sein). Über Bali ging es weiter zu einem Spiel in Surabaya auf Sumatra. Auf dem Rückweg hatte man noch Stopps in Djakarta und Singapur.

Für die Spieler und Begleiter der Eintracht bedeuteten diese Reisen auf andere Kontinente nicht nur trockene Fußballkost: Einlandungen, Empfänge, Sonne und Strand gehörten immer dazu. Und „last not least“: Abenteuerliche Erlebnisse.


Mehr zu den Reisen der Eintracht

Schon im Jahr 1976 ging es auf die nächste Reise, siehe Die Eintracht auf Afrika-Reise.

Eine Übersicht und allgemeine Hintergründe bietet unser Beitrag Betzenhauser Kicker auf Weltreise.

Passend zum Thema konnten wir im Jahr 2020 auf 100 Jahre Fußball in Betzenhausen zurückblicken.

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