100 Jahre Buslinie Betzenhausen-Freiburg

Aktuelles: Einladung zum Jubiläumsfest am 27. und 28. September im historische Betriebshof Süd der VAG (10-18:00, Urachstr. 5). Siehe dazu die Einladung der VAG .

Hintergrund: Im September vor 100 Jahren (genau genommen am 27. Sept. 1925) wurde die erste, motorbetriebene Buslinie zwischen Betzenhausen und Freiburg eröffnet. Es war die erste Motor-Buslinie überhaupt, die in Freiburg betrieben wurde (zuvor gab es nur Pferde-Antrieb). Zwei MAN-Busse wurden dazu angeschafft mit 17 Sitzen und gleiche Zahl an Stehplätzen. Ein Motor mit 60 PS steckte unter der Haube. Gestartet hat man solche Autos in jener Zeit noch mit einer Handkurbel.

Eröffnung der neuen Buslinie 1925

ca. 1926: Menschen in Betzenhausen freuen sich über den Omnibus

Natürlich gab für diese Premiere auch eine richtige Eröffnungsfahrt: am Abend zuvor waren u.a. Mitglieder des Stadtrats und der damaligen Straßenbahngesellschaft auf der neuen Buslinie unterwegs (ein innerstädtisches Strassenbahnsystem gab es übrigens in Freiburg schon seit 1901): In Betzenhausen wurde die honorige Gesellschaft vom Lokalverein empfangen, u.a. mit einem „Faß voll edlem Rebensaft“ im Gasthaus Krone; für Kinder wurden Brezeln verteilt. „Was lange währt, wird endlich gut. 1908-25“ war auf einem Banner in Betzenhausen zu lesen. Der Musikverein Betzenhausen-Lehen und auch der Gesangsverein Liederkranz gaben ihr Bestes zur musikalischen Untermalung. Seitens Lehen bedanke sich der damalige Bürgermeister, da die Linie ja auch „Lehen vollauf zu Gute käme.“

Die Omnibuslinie führte entlang der gesamten damaligen Lehener Strasse: Endhaltestelle in Betzenhausen war an der Kreuzung zur Hofackerstr./Dietenbachstr. vor dem damaligen Gasthaus Bären (in dem Teilbereich ist das ja heute die Sundgauallee). Mit dem Bus dort umzukehren war bei den gegebenen Strassen-Verhältnissen wohl nicht ganz unkritisch. Am anderen Ende der Strecke ging es über die Escholzstr. im Stühlinger bis zum Hohenzollernplatz (heute Friedrich-Ebert-Platz) mit Möglichkeit zum Umstieg auf eine Strassenbahn in Richtung Innenstadt. Die Buslinie bot tagsüber Fahrten im 20 Minuten Takt und von beachtlichen 750 Gästen pro Tag wird berichtet. Dabei ging es nicht nur um Bewohner aus Betzenhausen, die zur Arbeit in die Stadt fuhren: nach der Eingemeindung hatten sich auch neue Betriebe im Dorf angesiedelt und die konnten nun leichter Arbeitskräfte aus Freiburg finden. Wohl auch an Sonntagen wurde der Bus intensiv genutzt.

In den ersten Jahren gab es einen Sonderzuschlag von 10 Pfg. für alle, die über die Haltestelle Grenzstr. hinaus bis nach Betzenhausen wollten: der Zuschlag wurde 1928 nach „wiederholt vorgetragenen Wünschen der Bevölkerung“ von Betzenhausen wieder zurückgenommen.

Die Folgejahre

Das waren wohl die damaligen Busfahrer

Nach dem Erfolg dieser ersten Omnibuslinie folgten schon wenige Jahre später weitere Verbindungen von Freiburg nach Haslach bzw. St. Georgen: So wurde der flexible Bus insbesondere für Kurzstrecken und bei geringem Verkehrsaufkommen eine sinnvolle Alternative zur schienengebundenen Straßenbahn. Aber auch für die Strecke Betzenhausen-Freiburg gab es in den Folgejahren noch so mache Idee bzw. Erweiterung:

  • Schon mit den ersten Planungen zur Buslinie stellte man fest, dass die Lehener Strasse eine neue Teerdecke benötigen würde. Allerdings nicht nur aufgrund der Busse, sondern weil ganz allgemein der Verkehr aus Richtung Umkirch, Lehen und Betzenhausen zunahm. Umgesetzt wurde das Projekt zusammen mit einer Verbreiterung der Fahrbahn in den frühen 30er-Jahren. Nebenbei: auch damals wurde schon ein starkes Fahrrad-Aufkommen festgestellt und so man auch auch Radbereiche beidseitig der Lehener Str. vorgesehen.
  • In einem kalten Winter konnte der Sprit im Tank auch schon mal einfrieren.
  • Schon bald kam die Idee auf, die Linie nach Lehen zu erweitern, auch wenn Lehen damals noch nicht zu Freiburg gehörte. Dazu kam es aber nicht: Stattdessen verlängerte man einige Jahre später die Linie ab Stühlinger in Richtung Mooswald; zeitweise sogar bis Flugplatz.
  • Ende 1927 beantragten Bewohner der damals neu angelegten Häuserreihe an der Brandensteinstr. eine eigene Haltenstelle.
  • Auch die Mitnahme von Hunden war schon ein Thema: grundsätzlich war es nur erlaubt auf der Plattform vorn im Bus. Aber was ist, wenn es stark regnet und der Bus auch in den hinteren Reihen nicht voll? Es wurde nicht erlaubt.
  • Ab Sommerfahrplan 1935 stand ein Spätbus zur Verfügung, insbesondere um Theaterbesuche zu ermöglichen. Sogar ein „Theatersonderwagen“ war kurzzeitig im Gespräch mit Endhaltestelle am Theater. Aus dieser Verbindung „Betzenhausen <> Stadttheater“ wurde aber dann doch nichts.

In den späteren Kriegsjahren führte Kraftstoff-Mangel zeitweise zu einer Unterbrechungen der Busverbindung; nach der Bombennacht im Nov. 1944 war ohnehin alles anders. Der Neustart nach dem Krieg (1948) erfolgte zunächst mit einer geänderten Streckenführung über Mooswald, wobei unterschiedliche Stationen auf einem Rundkurs angefahren wurden (u.a. Hofackerstrasse); einige Jahre später wurden dann aber wieder zwei getrennte Linien in Richtung Betzenhausen und Mooswald geführt.

Der weitere Weg zur Straßenbahn

Die Anbindung an den Freiburger Nahverkehr war schon lange vor 1925 ein Wunsch in Betzenhausen: So war schon 1907, bei den Verhandlungen zur Eingemeindung nach Freiburg, der Ausbau der Straßenbahn bis Betzenhausen ein Thema und auch 1912 wurde sie in einer Bürgerausschussvorlage in Aussicht gestellt. Auch in der lokalen Presse war es immer wieder Thema: Ein Zeitungsausschnitt von Anfang der 1920er Jahre trägt sogar dazu den Titel „Das vernachlässigte Betzenhausen“. Als statt Strassenbahn dann erste Ideen für eine Buslinie aufkamen, hielt sich Begeisterung in Betzenhausen zunächst in Grenzen (zumal später eingemeindete Vororte schon früher mit Straßenbahn angeschlossen worden waren).

Seitens der Straßenbahngesellschaft wurden allerdings schon recht früh Pläne erstellt für den Anschluss, aber das Projekt verzögerte sich natürlich schon durch den ersten Weltkrieg und dann auch durch die nachfolgende Wirtschaftskrise mit Hyperinflation. Im Grunde war aber auch danach für die Stadt Freiburg klar, dass sich eine solche recht lange Linie bei den relativ wenigen Bewohnern in Betzenhausen (etwa 600 bei Eingemeindung) und Lehen nicht rechnen würde. Folglich zögerte sich die Investition in eine Straßenbahn immer weiter hinaus: am Ende sogar bis zum Jahr 1983, als der Bezirk Betzenhausen-Bischofslinde hinzugekommen war und die Landesgartenschau von 1986 vor der Tür stand. So blieb für fast 60 Jahre die Omnibuslinie eine Lösung, die mit weniger Aufwand zu realisieren und zu unterhalten war.

Die erste Omnibuslinie im VAG-Blog

Vielleicht auch von Interesse: Woher kommt eigentlich der Name Omnibus; wann und wo fuhren die Busse mit Pferde-Antrieb; wieso wurden schon früh Busse mit Gasantrieb eingesetzt; wieviele Buslinien gibt es heute in Freiburg? Auf solche und weitere Fragen zur Technikgeschichte der Busse in Freiburg gibt es Antworten in einem ausführlichen Blog-Beitrag der VAG-Freiburg unter dem Titel „100 Jahre Busverkehr in Freiburg“; hier der direkte Link: blog.vag-freiburg.de


Sonstige Hinweise

In früheren Veröffentlichungen zur Geschichte von Betzenhausen wurde fälschlicherweise der 6. Sept. 1926 als Datum für die erste Busverbindung genannt (z.B. im Sonderheft „50 Jahre Betzenhausen bei Freiburg“ von 1958).

Über Jahrhunderte waren die knapp 5 km Entfernung zwischen Betzenhausen und Freiburg ein eher beschwerlicher Weg; insbesondere für Bäuerinnen auf ihrem Weg zum Freiburger Markt. Siehe dazu unser Beitrag Unterwegs nach Freiburg.

Auch die Geschichte der Straßenbahn nach Betzenhausen haben wir in einem Beitrag zusammengestellt; siehe 40 Jahre Straßenbahn Betzenhausen-Freiburg.

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