40 Jahre Straßenbahn Betzenhausen-Freiburg
Schon 1907, bei den Verhandlungen zur Eingemeindung nach Freiburg, war die Erweiterung der „elektrischen Bahn“ nach Betzenhausen ein Thema und z.B. im Jahr 1912 sogar in einer Bürgerausschussvorlage in Aussicht gestellt. Auch bei der lokalen Presse war es immer wieder ein Thema: In einem Zeitungsausschnitt von Anfang der 1920er Jahre sogar unter dem Titel „Das vernachlässigte Betzenhausen“.
Seitens der Straßenbahngesellschaft gab es sogar schon früh Überlegungen für eine solche Erweiterung, doch das Projekt verzögerte sich zunächst durch den Krieg und dann auch noch durch die nachfolgende Wirtschaftskrise mit Hyperinflation in den 1920er Jahren. Im Grunde war aber auf Seite der Stadt Freiburg auch klar, dass die recht lange Strecke sich bei den relativ wenigen Bewohnern in Betzenhausen (etwa 600 bei Eingemeindung) und Lehen nicht rechnen würde. Folglich zögerte sich die Investition in eine Straßenbahn immer weiter hinaus. Als „Übergangslösung“ diente ab Sept. 1925 eine Omnibusline, die nebenbei die erste motorbetriebene Buslinie überhaupt in Freiburg war (siehe unser Beitrag 100 Jahre Buslinie Betzenhausen-Freiburg). Eine solche Linie war mit weniger Aufwand zu realisieren und zu unterhalten; so wurde es zur Lösung für fast 60 Jahre.
Erst ab den 1960er Jahren wurden die Planungen wieder aktiv vorangetrieben zur Stadtbahn-Erweiterung in den Freiburger Westen. Insbesondere auch für die neuen Stadtteile Landwasser und Weingarten wurde eine Schienenverbindung (Schnellstraßenbahn/Stadtbahn) als die geeignete Lösung angesehen, Busse lediglich als Zwischenlösung. Dies bestätigte auch der Generalverkehrsplan von 1969, der eine Bündelung der Linien im Bereich der Bertoldstraße vorsah. Umfangreiche Diskussionen wurden geführt insbesondere über die Linienführung im Bereich des Hauptbahnhofs:
- Eine große Hochbrückenlösungen („Stelzenlösung“) war anfangs im Gespäch: dabei sollte die Stadtbahn in Hochlage über die Bismarckallee führen, den Hauptbahnhof über auch hoch über die Eschholzstraße. Im Stühlinger war man wenig begeistert; der gesamte Gemeinderat fuhr nach Nürnberg um sich dort etwas ähnliches anzuschauen.
- Danach war Unterquerung in Diskussion als sog. „Große Lösung“: Ein langer Tunnel mit unterirdische Haltestellen am Theater, Hauptbahnhof und auch unterhalb der Eschholzstraße.
- Sogar ein Kabinen-Taxi-System (CAT) wurde kurzzeitig als Alternative gesehen.
Im April 1976 entschied sich der Gemeinderat für die kleinere Ausführung einer Brückenlösung am Hauptbahnhof, wie wir sie heute kennen mit Überquerung der Bismarckallee, der DB-Gleise und der Wenzingerstraße. Der erste Spatenstich für die Stadtbahn in den Westen erfolgte am 17. März 1978. Markant auf der Strecke in den Westen war natürlich auch die weitere Brücke über die Berlinerallee.

Am 9. Dezember 1983 war es dann soweit: Die Fertigstellung wurde in großem Rahmen gefeiert. Mit prominenten Gästen und einem Kanonenschuß auf der Stadtbahnbrücke wurde das erste Teilstück der neuen Linie 1 eröffnet mit Ziel Betzenhausen und Lehen (bis Haltestelle Paduaallee).
Diese Linie verband nun Littenweiler im Osten mit Betzenhausen im Westen über Bertoldsbrunnen und Hauptbahnhof. Eine Besonderheit der neuen Strecke war der Rasenbahnkörper, der einen Großteil der Strecke ausmachte, optisch ansprechend war und die Fahrzeuggeräusche minimieren sollte.

Der Bürgerverein von Betzenhausen empfing die Stadtbahn in einem historischem Outfit, das an 1908 erinnern sollte, und machte über ein Transparent auf die lange Wartezeit aufmerksam. Aber natürlich freute man sich jetzt auch über die Erfüllung des so lange gehegten Wunsches (siehe damaligen Bericht zur Stadtbahneinweihung im Stadtteil-Magazin).
Drei Jahre später hatte diese Straßenbahnlinie eine große Bedeutung, um Gäste zur Landesgartenschau am Flückigersee zu bringen (1986).
Die Verlängerung der Linie 1 nach Landwasser wurde am 14. Juni 1985 eröffnet. Parallel wurde auch an der Abzweigung in Richtung Weingarten gearbeitet; der erste Teilabschnitt bis zur Haltestelle Bissierstraße (mit Wendeplatte) konnte ebenfalls am 14. Juni 1985 eröffnet werden. Seither ist Betzenhausen über zwei Straßenbahnlinien erreichbar mit insgesamt vier Haltestellen.
Sonstige Hinweise zur Geschichte der Straßenbahn
Über Jahrhunderte waren die knapp 5 km Entfernung zwischen Betzenhausen und Freiburg ein eher beschwerlicher Weg; insbesondere für Bäuerinnen auf ihrem Weg zum Freiburger Markt. Siehe dazu unser Beitrag Unterwegs nach Freiburg.
Die Entwicklung der Freiburger Straßenbahn ist ausführlich in Wikipedia dokumentiert; zusammen mit einer Vielzahl historischer Aufnahmen. Hier der direkte Link dazu de.wikipedia.org . Natürlich gibt es auch im Blog der VAG-Freiburg immer wieder Beiträge, die sich mit der historischen Entwicklung des öffendlichen Nahverkehrs befassen; siehe archiv.blog.vag-freiburg.de/tag/geschichte/.
Ausführlich dokumentiert sind die ersten Jahrzehnte der Freiburger Straßenbahn auch im Buch „Zum Bertolsbrunnen mit Bus und Bahn“ von Jürgen Burmeister (1988, erhältlich in Antiquariaten).
Die Freunde der Freiburger Straßenbahn (www.fdfs.de) haben viele historischen Film-Aufnahmen zusammengefasst zu einen Film über die Geschichte und Entwicklung der Freiburger Straßenbahn. Zuerst veröffentlich als DVD, ist dieser Film inzwischen auch auf Youtube und anderen Video-Plattformen zu sehen: dort einfach suchen nach „Geschichte der Freiburger Straßenbahn„. Dort enthalten ist auch Video-Material zum Bau der Stadtbahnbrücke über den Bahnhof, die man heute bezogen auf die Straßenbahn-Anbindung als „Tor zum Freiburger Westen“ bezeichnen kann.
