Stadtbahn-Einweihung am 9. Dez. 1983

Am 9. Dezember 1983 fuhr erstmals eine Straßenbahn von Freiburg nach Betzenhausen. Lange hatte man darauf gewartet. Für die Menschen in Betzenhausen, insbesondere den Bürgerverein, war es „ein Jahrhundertereignis“. Deshalb als Dokumentation nachfolgend der Bericht über die Eröffungsfeier im Stadtteil-Magazin Bürgerblättle vom Dez. 1983.


Ein schmuckes Empfangskomitee

Auch ein schneidender Wind konnte am 9. Dezember 1983, dem Tag der Stadtbahneröffnung in den Freiburger Westen, die Mitglieder des Bürgervereins Betzenhausen-Bischofslinde nicht abhalten, der ersten Straßenbahn, die in Richtung Westen rollte, einen standesgemäßen Empfang zu bereiten.

Empfangskomitee des BV an der Haltestelle Runzmattenweg

War es doch der Wagen der Prominenz, der zunächst am Runzmattenweg angehalten wurde, täuschend echt (sie warens ja auch!) wirkten die sehr kleidsamen Fräcke, Stehkragen und Zylinder, die unsere Männer des Vorstands eher als Grafen, Marquis oder Barone erscheinen ließen (wies agte doch Gottfried Keller? „Kleider .. .“).

Unsere Herren sahen es ja selbst ein, was Eleganz bedeuten kann, wenn da der Maskenbildner auch noch sehr geschmackvoll nachgeholfen hat, so war die einzige Dame (unser Vorstandsmitglied Anneliese Blunck) sehr zufrieden mit der siebenfachen männlich Begleitung. Auch die Umgebung sah es mit großer Zufriedenheit und Bewunderung. Man drängte sich um unseren Vorstand. Wann hatte er so viel Zuwendung erfahren! Da hätte man gleich Werbung für den Bürgerverein machen sollen.

Der erste Wagen der Stadtbahn erreicht Betzenhausen-Bischofslinde

Ohne Übertreibung kann gesagt werden, daß die Mode um die Jahrhundertwende für den Empfang der ja 1908 erstmals versprochenen Stadtbahn eine glänzende Idee war. Wer sie hatte? Dies kann gar nicht genau gesagt werden. Sie entstand im Diskussionsgespräch.

Schon an der Endhaltestelle (natürlich auch in der Bahn) sorgten die „Trachtenträger“ für neuen Zulauf. Später in der Bundschuhhalle grüßte Willy Kapp als Vorsitzender des Bürger- und Gesangvereins die vielen Besucher aus dem Westen mit allen hier ansässigen Ortsvereinen. Endlich, so meinte Kapp, habe heute, am 9. Dezember 1983, nach 75 Jahren des Wartens auf die Bahn, die Zukunft begonnen. Dann schwang Manfred Fischer mit dem Frauen- und Männerchor das Zepter. In sehr lockerer Art unterhielt der Chor und fand beim großen Pubikum viel Beifall (H. Albiker).


Ein Jahrhundertereignis

Genugtuung über die Stadtbahneröffnung. An Brennpunkten solliten „Park-and-Ride-Parkplätze“ angelegt werden. Mit Freude beobachtete der Bürgerverein, ebenso wie die Bevölkerung im Freiburger Westen den raschen Endausbau der Stadtbahn mit den beginnenden Probefahrten. Eine wesentliche Frage wird sein, ob die Bahn in genügendem Maße angenommen wird, da noch nicht ausreichend Parkraum an besonders geeigneten Haltestellen geschaffen worden ist. Aufmerksam verfolgte daher der Vorstand des Bürgervereins die Diskussionen um die sogenannten „Park-and-Ride-Plätze“, die ein Umsteigen vom Auto in die Bahn ermöglichen sollen und dadurch auch den Stadtverkehr wesentlich entlasten könnten. Gelingt es nicht, diesen Parkraum zu schaffen, so wird der Autofahrer kaum auf die Bahn umsteigen. Solche Parkplätze werden vom Bürgerverein an geeigneten Stellen gefordert.

Mit der Trassenführung nach Westen erfüllt die Stadt Freiburg ein sehr „altes Versprechen“, das allerdings zeitlich nie (klugerweise!) genau eingegrenzt worden war. Schon im Entwurf des Eingemeindungsvertrages von Betzenhausen vom 18. September 1907 (!) heißt es wörtlich: „Es ist Beschluß der Gemeinde, der Eingemeindung der Gemeinde Betzenhausen in die Hauptstadt Freiburg nach den zugrunde gelegten Bedingungen die Zustimmung zu erteilen mit dem Anfügen, daß die Stadtgemeinde Freiburg für die Erweiterung der elektrischen Bahn nach Betzenhausen und genügende Ortsbeleuchtung hauptsächlich Sorge tragen möchte.“ Gleich wird allerdings angefügt, daß „hierin ein selbstverständlicher Wunsch zu erblicken sei, über dessen Ausführung die Gemeindevertretung Freiburgs nach pflichthaftem Ermessen seiner Zeit zu entscheiden haben wird“.

Nach der Gründung des Bürgervereins am 10. April 1910 begann ein langjähriger oft hartnäckig geführter Kampf um die Erfüllung des Versprechens. Beispielsweise löste eine negative Beantwortung eines entsprechenden Antrags am 11. März 1919 in Betzenhausen einen Sturm der Entrüstung aus, der in einer wiederholten äußerst scharf formulierten Eingabe gipfelte. Alles „Bohren“ blieb vergeblich. Inzwischen wurde eine Buslinie angepeilt. Erst ab 27. Sept. 1925 (Anm. Red.: im urspr. Text war ein anderes, leider falsches Datum genannt) verkehrte zum ersten Mal die Buslinie Freiburg-Betzenhausen. Jede Fahrt mußte aber mit einem Sonderzuschlag von damals wertvollen „10 Pfennig“ bezahlt werden. Auch hier wurde wiederum der damalige Lokalverein unablässig bei der Stadt vorstellig, ehe auch dleses „Sonderopfer“ aufgehoben wurde. (H. Albiker)

Ein Beitrag aus dem Stadtteil-Magazin Bürgerblättle vom Dez. 1983


Sonstige Hinweise

 

Ähnliche Beiträge