Der Flückigersee
Der 10 ha große See liegt 3 km südlich von Freiburgs Stadtzentrum im Stadtteil Betzenhausen: über viele Jahrzehnte war es ein Baggersee, der zum Anlass der Landesgartenschau 1986 umgestaltet wurde. Der so entstandene Seepark ist seither ein beliebtes Erholungsgebiet in Freiburg.
Vorgeschichte
Das Gelände hat eine durch bewegte Geschichte; z.B. im Mittelalter als das militärische Aufmarschgebiet vor der befestigten Stadt Freiburg. Überwiegend versuchten natürlich die Bauern von Betzenhausen, das Gelände landwirtschaftlich zu nutzen. Sicher ohne große Erträge, denn zumindest für Gertreideanbau eignete sich der Schotterboden nur wenig.
Da war es durchaus naheliegend, dass in den 1920er-Jahren eine Firma Flückiger als Schotterbetrieb damit begann, Kies und Sand abzubauen. So entstand die erste Kiesgrube, deren Lage ideal war zur Versorgung von Baustellen in Freiburg. Es war wohl zugleich der Ursprung des Schotterwerks Flückiger: Nach dieser Firma ist der See bis heute benannt (vertraglich festgelegt).
Nachkriegsphase
Der ursprünglicher Baggersee lag noch etwas süd-östlicher bezogen als der heutige See: allerdings wurden genau dort nach dem zweiten Weltkrieg (1947 bis 1949) viele Trümmer aus der Freiburger Innenstadt abgeladen, so dass der Baggersee zum Teil wieder verschwand. Am Ende bildete sich sogar ein Hügel etwa dort, wo heute der Rosengarten mit benachbarten Strassen zu finden ist (siehe auch unser Beitrag zum Trümmerexpress). Diese Altlasten (wohl auch mit Resten von Brandbomben) waren Anfang der 2000er Jahre vermutlich sogar für starke Phospor-Belastungen im See verantwortlich, die man sich zunächst nicht erklären konnte (siehe dazu Bürgerprojekt Flückigersee). Kritische Mengen an Tierausscheidungen kamen aber auch als Ursache in Frage (z.B. bis zu 40 Schwäne gleichzeitig, heute nur noch ein einziges Paar).
Nach dem zweiten Weltkrieg wurde die Förderung von Kies und Sand wieder aufgenommen (ab etwa 1946): das erste uns bekannte Foto stammt von Willy Pragher und zeigt die Arbeiten im Jahr 1951 (siehe weiter unten).
Im Nachhinein etwas überraschend: Trotz Baggerarbeiten wurde der See schon recht früh auch zur Freizeitgestaltung genutzt. So gab es bereits ab Ende der 1960er Jahre am östlichen Ufer ein Freibad mit Zugang zum See. Siehe dazu wieder Fotos von Willy Pragher weiter unten; sehr schön auch zu sehen in einem SWR Video von 1970 mit einem Rundflug über Freiburg und dem Baggersee.
Ende der 1970er Jahren hatte die Besiedlung des See-Umfeldes (Bischofslinde, Studentensiedlung) so zugenommen, dass ein weiterer Kiesabbau in direkter Nachhbarschaft nicht mehr sinnvoll erschien und vor allem auch zu Protesten führte. Also machte man sich Gedanken, wie das Gelände weiter zu nutzen sei: die meiste Zustimmung fand natürlich die Idee, das Gelände zu einem Park für westliche Stadtteile zu entwickeln. Zeitweise war sogar der Bau eines (Strand-)Hotels in Diskussion. Der Durchbruch kam mit der Idee zur Ausrichtung einer Landesgartenschau 1986 (siehe Rückblick LGS 1986). Passend dazu endete der Kiesabbaus im Jahr 1983.
Der See heute
Der Flückigersee mit zugehörigem Seepark ist heute ein beliebtes Erholungsgebiet in Freiburg. Direkt am Ufer wurde ab den 1960er Jahren die Studentensiedlung (StuSie) errichtet: schon deshalb sieht man im Park auch viele junge Menschen. Ebenfalls im Umfeld vom See: Bauwerke, die zur Landesgartenschau errichtet wurden, aber bis heute geblieben sind (z.B. Tempelchen, Seeparkturm und auch die Ökostation). Wenige Jahre nach der LGS entstand der besonders gelungene Japanische Garten. Auf der Seebühne gibt es regelmäßig Events, ein idividuelles Highlight ist im Sommer das jährliche Seenachtsfest der Stadt Freiburg.
Regelmäßige Untersuchungen bescheinigten dem ehemaligen Baggersee in den letzten Jahren eine gute Wasserqualität und damit die Eignung als Badesee. Es sollten aber nur gute Schwimmer ins Wasser gehen, denn vor allem durch Stellen mit steil abfallender Uferböschung kam es in den letzten Jahren mehrfach zu Badeunfällen; sogar mit Todesfolge durch Ertrinken. Die Stadt Freiburg hat sich 2025 entschieden, entsprechende Warnschilder aufzustellen.
Der See hat heute eine Tiefe von bis zu 25 Metern; durch Ablagerungen / Schlammschichten nimmt die Tiefe aber immer weiter ab. Ein Kuriosum: Kurz nach der Landesgartenschau 1986 versank ein Boot, das in der Ausstellungszeit als Kunstwerk auf dem See unterwegs war. Das zugehörige Wrack liegt noch heute auf dem Grund des Sees und wird gern von Tauchern besucht; z.B. ist der 1. Tauchclub Freiburg regelmäßig Gast hier.
In der kleinem Bucht am süd-östlichen Teil vom See sind Schildkröten heimisch geworden: schön zu beobachten von der Brücke dort und eine Attraktion ganz besonders für Kinder.
Der See in Bildern
Die Entwicklung vom Baggersee bis zur Gestaltung für die Landesgartenschau 1986 ist in Fotos von Willy Pragher dokumentiert; nachfolgend eine Auswahl aus der Sammlung beim Staatsarchiv Freiburg (alle unter Creative Commons Lizenz CC BY 4.0).
Sonstiges zum Flückigersee
Durchaus lohnenswert ist auch wieder ein Blick auf Wikipedia: zum Seepark, zum Flückigersee und auch zur Trümmerbahn.







