Das Bischofskreuz in Betzenhausen
Das Bischofskreuz in Betzenhausen ist eines der ältesten Flurdenkmäler Süddeutschlands und symbolisiert den Übergang von einer gewaltsamen Fehde zur diplomatischen Lösung. Nebenbei steht es auch für eine besondere Stufe in der Entwicklung von Freiburg. Die Geschichte dahinter fand statt vor gut 700 Jahren.
Aber das Kreuz selbst hat auch eine bewegte Geschichte seit seiner Aufstellung, die vermutlich im Jahr 1300 war. Wie es dem Kreuz in gut 700 Jahren erging, darauf wollen wir hier eingehen. Trotzdem müssen wir zunächst einen Blick auf die Vorgeschichte werfen: Warum es das Kreuz überhaupt gibt. Wir versuchen es so kurz zu halten, wie es nur geht …
Vorgeschichte
Im Jahr 1299 spitzte sich ein Konflikt zwischen der Stadt Freiburg und dem Graf Egino III zu, der in seiner Burg auf dem Schlossberg „thronte“. Der Graf bat seinen Schwager Konrad von Lichtenberg um Hilfe, einem angesehenen Bischof in Straßburg: Als Bischof hatte der ein stattliches Heer, was damals nicht unüblich war. Also zog der Bischof mit seinen Leuten auf die Wiesen zwischen Betzenhausen und Freiburg, um Freiburg von dort aus zu belagern. Doch die Bürger wehrten sich: am 29. Juni 1299 kam es zur Schlacht, wobei ein Metzger den Bischof so schwer verletzte, dass dieser kurz danach in Straßburg verstarb.

Der militärische Konflikt war damit vorbei, das bischöfliche Heer lief direkt auseinander. Doch das eigentlich Bedeutende war der nachfolgende Friedensschluss. Durch Vermittlung von Bischof Friedrich von Straßburg – Bruder und Nachfolger des Getöteten – kam es zu einer Sühne-Verhandlung. In diesem Fall wird ein Konflikt nicht „nach Recht“, sondern „in Güte“ verhandelt; in jener Zeit sehr außergewöhnlich. So kam es im Januar 1300 zu einem Ausgleichsvertrag zwischen Freiburg und ihrem Herrn Graf Egino. Damit war wieder Frieden und die Stadt wurde auch wieder aus der Reichsacht entlassen.
Zum Gedenken an den gewaltsamen Tod des Bischofs Konrad von Lichtenberg wurde ein Sühnekreuz aufgestellt.
Das Bischofskreuz im Laufe Jahrhunderte
Nach den Forschungen von Dr. Flamm ist das Bischofskreuz wohl schon bald nach dem Friedensschluss im Jahr 1300 aufgestellt worden. Das Kreuz ist aus Buntsandstein hergestellt worden und hat ohne den heutigen Sockel eine Höhe von ca. 135 cm. Die ursprüngliche Breite betrug 86 cm. Im Fußfeld war ein Wappen angebracht, das aber schon lange nicht mehr lesbar ist: So bleiben der oder die Stifter unbekannt. Die Güte des Kreuzes legt aber nahe, dass ein Stifter am Hofe des Freiburger Grafen oder des Bischofs von Straßburg zu suchen ist.
Als Besonderheit gilt eine lateinische Inschrift, die im Bereich der Arme eingeritzt (die meisten Sühnekreuze tragen keine Zeichen). Darauf steht: „CONRADO DE LICHTENBERG – EPISCOPO ARGENTINENSI – HOC LOCO – INTER – FECTO“. Übersetzt: „Für Konrad von Lichtenberg, Bischof von Straßburg, an diesem Ort tödlich verletzt“.
Zurück zu den Manuskripten von Franz Flamm: Demnach wird bereits 1311 in einer Flurbeschreibung von einem Acker gesprochen „unter dem escholz bei dem steinernen krüz in des königs gut“. Damit gilt das Bischofskreuz als eines der ältesten Sühne- und Gedenkkreuze Süddeutschlands. Im Jahr 1334 ist von einem „Käppele vor breidier thor by den linden zwischen den von sant Cloren und meister Ysenly“ die Rede. Eine Aufzeichnung von 1464 nennt einem Acker „bi bischofslinden“, im Jahr 1580 spricht man von „bischofslind und krütz„. Die vielen Erwähnungen lassen auch vermuten, das es schon sehr früh eine Kapelle für das Bischofskreuz gab (und auch Linden). Darauf deuten auch alte Flurbezeichnungen wie „Im Käppeli“ oder „Capellun zu bezzehusen“ oder „Capellenacker am knie des bezzenhuser lantwegs„.

Gesichert ist der Bau einer Kapelle im 17. Jahrhundert, wobei das Kreuz gleichzeitig zu einem Teil des Altars wurde. Man nannte sie später die „Kapelle zum Stein“. Erste nachgewiesene Erwähnung findet die Kapelle im Jahr 1686 über eine Flurbezeichnung „bei der Steinkreuzkapell“. Der Bau erfolgte vermutlich auf Initiative und Kosten der Kirche St. Thomas; also nicht durch die Stadt Freiburg. Eine Zeichnung dieser Kapelle gibt es von Joseph Felician Geißinger im Jahr 1789 (siehe Festschrift zu 700 Bischofskreuz zu diesen Angaben).
Mit der Zeit verwischte die geschichtliche Bedeutung im Volksgedächtnis. Es entstand die Sage, an dieser Stelle sei ein Heiliger begraben, der bei Kindsnöten und Kinderkrankheiten Beistand leisten könne. So kam es, dass die Kapelle immer häufigerer von Pilgern aufgesucht wurde; besonders aus dem Elsass. Kinderkäppchen wurden als Weihegaben angebracht. Man kann durchaus von einem Wallfahrtsort sprechen.
Das Ende dieser Kapelle kam im Zuge der Säkularisierung, speziell nach dem Befehls von Kaiser Josef II im Jahr 1769 zur Aufhebung aller Nebenkapellen. Abriss und Beseitigung der Trümmer erfolgten wohl zwischen 1790 und 1812. Laut Erzählungen wurde das Bischofskreuz kurzzeitig zur St. Thomas Kirche gebracht: In einer „Nacht- und Nebelaktion“ sei es aber wieder zurückgewandert zu seinem alten Standort. Da blieb es wohl für lange Zeit einfach auf dem Acker liegen und für Jahrzehnte seinem Schicksal überlassen: War also Wind und Wetter ausgesetzt. In dieser Zeit – beim Abbruch oder in der nachfolgenden Zeit der Verwahrlosung – ging wahrscheinlich auch ein Teil vom rechten Kreuzarm verloren.

Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert erinnerte man sich wieder an das Bischofskreuz. Der Historiker Heinrich Schreiber verfasste 1862 einen Aufruf zu seiner Rettung, da es „schutzlos im Freien war, jeder Witterung und Rohheit preisgegeben“. Im Jahr 1873 erschien im ersten Band der Zeitschrift „Schauinsland“ ein Beitrag zum geschichtlichen Hintergrund; enthalten war auch eine Zeichnung von Fritz Geiges zum damaligen Zustand. Als Folge der Beiträge wurde im nachfolgenden Jahr 1874 zumindest schon mal ein stabiler Sockel für das Kreuz gebaut: Er existiert auch heute noch.
Erst zum deutschen Metzgerkongress 1903 in Freiburg ließ die Stadt Freiburg einen Schutzbau errichten, ähnlich dem von heute, aber mit zusätzlichen Schmuckelementen und einem kleinem Gitter davor: Seitdem gibt es auch eine Info-Tafel an der Rückseite vom Schutzbau mit Erläuterungen zum historischen Geschehen (siehe Inschrift weiter oben, vermutlich erstellt mit Unterstützung der Metzger-Innung).

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Bischofskreuz selbst glücklicherweise kaum beschädigt. In der Wand vom Schutzbau klaffte allerdings ein großes Loch, Verputz und Dachziegel waren zerstört. Um die Jahreswende 1949/1950 wurde der Schutzbau erneuert, als auch die Presse begonnen hatte, über den Zustand des Denkmals zu berichten. In dieses kleine Projekt schaltete sich soger Dr. Joseph Schlippe ein, seinerzeit Leiter des städtischen Wiederaufbau-Programm. Wie auch an anderen Stellen haderte er mit den Schmuckelementen am vorherigen Schutzbau: „Man müsste vielmehr die Geschmacklosigkeiten aus der Jugendstilzeit (1903!) beseitigen„. Was er meinte, ist mit Details und einer Skizze im Stadtarchiv zu finden. So entstand die einfachere Ausführung von heute (Bild oben im Beitrag).
Die Bischofslinde: Lange Zeit stand neben dem Kreuz eine mächtige Linde (siehe unser Beitrag zur Bischofslinde). Sie fiel leider am 29. Juni 1942 einem Sturm oder Blitz zum Opfer. Erst zur Grundsteinlegung des neuen Bezirks „Betzenhausen-Bischofslinde“ im Mai 1963 hat man eine neue Linde gepflanzt.
Ursprünglich stand das Bischofskreuz direkt an der Lehenerstraße. Durch den Bau der Sundgauallee samt Bezirk Bischofslinde in den 1960er Jahren musste das Kreuz mitsamt seinem Schutzbau ein Stück versetzt werden auf den heutigen Kirchplatz von St. Albert. Unterschiedliche Bauabschnitte für Sundgauallee, Fußgängerunterführung und Kirche St. Albert führten dazu, dass man mehrfach den Standort anpasste. Die letzte Umsetzung war erst Ende der sechziger Jahre. Das Bischofskreuz selbst war wohl kein zentrales Element der Planung.
Eine Untersuchung im Jahr 1999 ergab, dass Verwitterung und Vandalismus dem Bischofskreuz stark zugesetzt hatten. So gründete sich aus dem KuGe heraus eine Initiative, um das Kreuz passend zum 700-jährigen Jubiläum zu restaurieren. Zur Sicherheit wurde das Original-Kreuz in die Kirche St. Albert überführt: Im öffentlichen Schutzbau auf dem Kirchplatz steht seither eine originalgetreue Kopie aus Kunststein. Mehr dazu in unserem Beitrag zur Rettung Bischofskreuz (1999).
(Die Inhalte des Beitrags basieren überwiegend auf Manuskripten von Dr. Franz Flamm)
Sonstiges zum Bischofskreuz
Die Dokumentation „Der Friede vom Bischofskreuz“, ausgearbeitet durch Dr. Franz Flamm (1996), berichtet ausführlich über die historischen Hintergründe der Ereignisse in den Jahren 1299/1300.
Für den Festakt zum 700ten Jubiläum im Jahr 2000 wurde u.a. eine Festschrift mit vielen Themen rund um das Bischofskreuz erstellt.
Den Friedensschluss kann man in Verbindung bringen mit Albert Magnus als Friedensstifter, siehe Vortrag von Dr. E. Eckert.
