Die Bischofslinde von Betzenhausen

Lange Zeit stand neben dem Bischofskreuz in Betzenhausen eine mächtige Linde. Seit wann es sie gab, ist nicht festzustellen. Das Bischofskreuz selbst dürfte aber schon bald nach den Ereignissen in den Jahren 1299/1300 aufgestellt worden sein und damit vermutlich auch eine Linde.
So kann man zumindest Quellen verstehen, die Franz Flamm in seinen Manuskripten erwähnt hat, wie z.B. die alten Flur- und Gewann-Bezeichnungen „bi des bischofslinden“ (1464) und „bischofslind und krütz“ (1580). In einer Dorfbeschreibung von 1683 ist „bey bischofslinden und crütz“ erwähnt. Über Jahrhunderte beschützte also eine Linde das Kreuz.
Auch im Badischen Sagenbuch von 1899 (Abbildung links) wird von einer mächtigen Linde gesprochen, für die man auch gleich noch eine Skizze angefügt hat.
Das Foto oben rechts dürfte aus den 1920 Jahren stammen. Zu jener Zeit befand sich neben der Linde wohl auch ein Trinkbrunnen und ein Kilometerstein mit dem Hinweis „Bertoldsbrunnen 3 km“.
Noch bis 1960 war die Lehener Straße eine schmale Landstraße, die über freie Felder von Freiburg nach Betzenhausen und Lehen führte.
Die alte „Bischofslinde“ fiel am 29. Juni 1942 einem Sturm oder Blitz zum Opfer; ganz genau ist es nicht aufgeschrieben. Zumindest war das Ende nicht Kriegs-bedingt. Unter dem Titel „Aus der Geschichte eines allen Freiburgern vertrauten Kulturdenkmals“ schrieb damals die Freiburger Zeitung zu diesem Verlust (etwas pathetisch):

„Sie stand in der Mächtigkeit ihrer Jahre am Rande der Straße. … Jahrhunderte ächzte und stöhnte sie unter der Gewalt mannigfacher Stürme, Jahrhunderte nisteten die Vögel in der Geborgenheit ihrer Zweige und Jahrhunderte wanderte die Zeit in vielfältiger Gestalt an ihr vorüber, und mit ihr die Menschen, die von den Dörfern gegen die Stadt und von der Stadt zu den Dörfern schritten. Keiner, der nicht dann in ihrem Schatten verweilte, der nicht mit Verwunderung ihre mächtige Gestalt umfing, der nicht den Blick über die dunklen Berge, die fern hinter den Häusern über die Stadt sich erheben, gleiten ließ, der nicht von ihr, der Bischofslinde, aus zur Rheinebene hinüberschaute, und keiner, der nicht zur kleinen Kapelle trat, die schützend ein merkwürdiges altes Kreuz umgibt.
… Ja, sie stand in der Mächtigkeit ihrer Jahre am Rande der Straße, und die Zeit und die Menschen schritten in vielfältiger Gestalt an ihr vorüber. Sie stand … und nun liegt sie am zeitlosen Rande dieser Straße, zersplittert, mit zahllosen Wunden, gefällt von einem Geschick, einer Gewalt, der ihre Jahrhunderte nicht trotzen konnten. Und wieder wandern die Menschen von der Stadt und von den Dörfern zu ihr hinaus, stehen mit traurigen Augen vor dem gestürzten Riesen, brechen sich behutsam Zweige von der Freundin, in deren Schatten sie einst auf der stillen Bank saßen, und tragen sie als letzte Erinnerung wehmütig nach Hause. Wo einst Vögel geborgen nisteten, klettern Kinder fröhlich und unbefangen in den Ästen, und die Kapelle hört einsam jauchzendes Kinderlachen.
Und weiter schreitet die Zeit, pflanzt vielleicht wieder eine junge Linde, wo einst die alte Bischofslinde stand, die dann in der Schmächtigkeit ihrer Jahre am Rande der Straße steht.“
Der abschließende Wunsch des Autors „Lo“ wurde erst im Mai 1963 wahr: Da pflanzte die Stadt Freiburg im Beisein von OB Keidel eine neue Linde. Anlass war die Grundsteinlegung für den neuen Bezirk „Betzenhausen-Bischofslinde“, für den die historische Linde ja als Namensgeber diente (siehe unser Beitrag Betzenhausen-Bischofslinde entsteht )
