Die Bischofslinde von Betzenhausen

Die alte Bischofslinde bis 1942 mit Bischofskreuz

Lange Zeit stand neben dem Bischofskreuz in Betzenhausen eine mächtige Linde. Seit wann genau sie dort stand, ist nicht festzustellen. Das Bischofskreuz selbst dürfte aber schon bald nach den Ereignissen in den Jahren 1299/1300 aufgestellt worden sein und damit verbunden auch eine Linde.

So kann man zumindest Quellen verstehen, die Franz Flamm in seinen Manuskripten erwähnt hat, wie z.B. die alten Flur- und Gewann-Bezeichnungen „bi des bischofslinden“ (1464) und „bey bischofslinden und krütz“ (1580). In einer Dorfbeschreibung von 1683 wird „von des bischofslinden“ gesprochen. Also wurde das Bischofskreuz schon vor vielen Jahrhunderten von einer Linde beschützt, oder vielleicht sogar von mehreren; einen Schutzbau für das Kreuz gab es ja nur zeitweise.

Bischofskreuz und Bischofslinde im SagenbuchAuch im Badischen Sagenbuch von 1899 wird von einer „mächtigen Linde“ gesprochen, für die man auch gleich noch eine Skizze angefügt hat (Abbildung links).

Das Foto oben rechts dürfte aus den 1920er Jahren stammen. Zu jener Zeit befand sich neben der Linde wohl auch ein Trinkbrunnen und ein Kilometerstein mit dem Hinweis „Bertoldsbrunnen 3 km“.

Noch bis 1960 war die Lehener Straße eine schmale Landstraße, die über freie Felder von Freiburg nach Betzenhausen und Lehen führte. Für das frühere Bauerndorf Betzenhausen war der Markt in der Stadt von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Noch bis in die 1960er Jahre fuhren vor allem Bauersfrauen zum Markt in die Stadt, um ihre Erzeugnisse zu verkaufen. Zeugnis davon gibt ein Marktkarren im Fundus des Augustinermuseums, der bis 1954 zu Fuß zum Münsterplatz entlang der Lehenerstraße gezogen wurde. Da war die Bischofslinde ein willkommener Platz für eine Rast.

Ein weiterer Haltepunkt war zeitweise ein Laufbrunnen an der Einmündung der Lehenerstrasse in die Escholzstrasse, der mit laufendem Frischwasser aus der Stadt versorgt wurde. Dieser Brunnen steht heute direkt neben dem Bischofskreuz vor der St. Albert Kirche.

Die alte „Bischofslinde“ fiel am 29. Juni 1942 einem Sturm oder Blitz zum Opfer; ganz genau ist es nicht aufgeschrieben. Zumindest war das Ende nicht Kriegs-bedingt. Unter dem Titel „Aus der Geschichte eines allen Freiburgern vertrauten Kulturdenkmals“ schrieb damals die Freiburger Zeitung zu diesem Verlust (etwas pathetisch, was wohl auch der damaligen Zeit geschuldet ist):

Umgestürzte Bischofslinde nach Blitzschlag bzw. Sturm (1942), daneben der damalige Schutzbau.

Sie stand in der Mächtigkeit ihrer Jahre am Rande der Straße. … Jahrhunderte ächzte und stöhnte sie unter der Gewalt mannigfacher Stürme, Jahrhunderte nisteten die Vögel in der Geborgenheit ihrer Zweige und Jahrhunderte wanderte die Zeit in vielfältiger Gestalt an ihr vorüber, und mit ihr die Menschen, die von den Dörfern gegen die Stadt und von der Stadt zu den Dörfern schritten. Keiner, der nicht dann in ihrem Schatten verweilte, der nicht mit Verwunderung ihre mächtige Gestalt umfing, der nicht den Blick über die dunklen Berge, die fern hinter den Häusern über die Stadt sich erheben, gleiten ließ, der nicht von ihr, der Bischofslinde, aus zur Rheinebene hinüberschaute, und keiner, der nicht zur kleinen Kapelle trat, die schützend ein merkwürdiges altes Kreuz umgibt.

… Ja, sie stand in der Mächtigkeit ihrer Jahre am Rande der Straße, und die Zeit und die Menschen schritten in vielfältiger Gestalt an ihr vorüber. Sie stand … und nun liegt sie am zeitlosen Rande dieser Straße, zersplittert, mit zahllosen Wunden, gefällt von einem Geschick, einer Gewalt, der ihre Jahrhunderte nicht trotzen konnten. Und wieder wandern die Menschen von der Stadt und von den Dörfern zu ihr hinaus, stehen mit traurigen Augen vor dem gestürzten Riesen, brechen sich behutsam Zweige von der Freundin, in deren Schatten sie einst auf der stillen Bank saßen, und tragen sie als letzte Erinnerung wehmütig nach Hause. Wo einst Vögel geborgen nisteten, klettern Kinder fröhlich und unbefangen in den Ästen, und die Kapelle hört einsam jauchzendes Kinderlachen.

Und weiter schreitet die Zeit, pflanzt vielleicht wieder eine junge Linde, wo einst die alte Bischofslinde stand, die dann in der Schmächtigkeit ihrer Jahre am Rande der Straße steht.

Der abschließende Wunsch des Autors „Lo“ wurde erst im Mai 1963 wahr: Da pflanzte die Stadt Freiburg im Beisein von OB Keidel eine neue Linde. Anlass war die Grundsteinlegung für den neuen Bezirk „Betzenhausen-Bischofslinde“, für den die historische Linde ja als Namensgeber diente (siehe unser Beitrag Betzenhausen-Bischofslinde entsteht).


Sonstiges zum Thema hier

Über Jahrhunderte waren die knapp 5 km Entfernung zwischen Betzenhausen und Freiburg ein eher beschwerlicher Weg; siehe dazu unser Beitrag Unterwegs nach Freiburg.

Die Dokumentation „Der Friede vom Bischofskreuz“, ausgearbeitet durch Dr. Franz Flamm (1996), berichtet ausführlich über die historischen Ereignisse in den Jahren 1299/1300.

Im Beitrag wurden Manuskripte von Dr. Franz Flamm erwähnt, mehr dazu im Beitrag „Übergabe der Werke von Franz Flamm an den KuGe.

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