Die Karibik-Reise der Eintracht

Mitte der 1970er Jahre (also vor etwa 50 Jahren) waren die Fußballer der „Eintracht DJK Freiburg“ weltweit unterwegs. Für eine Amateurmannschaft war das damals natürlich eine völlige Ausnahme. Die Hintergründe und was da alles passierte, haben wir in einem eigenen Beitrag Betzenhauser Kicker auf Weltreise zusammengefasst.


Stationen der Karibik-Reise

Zur Jahreswende 1973/74 zog es die Eintracht in die Karibik, also Dominikanischen Republik (Santo Domingo) und Haiti. Hotel am Palmenstrand konnte man sich zunächst an das Klima gewöhnen. Zwei Spiele waren auf dieser Reise vorgesehen und überall wurde die Mannschaft aus Freiburg begeistert begrüßt.

Das erste Spiel war direkt in Santo Domingo und die Eintracht verlor leider 2:1 gegen eine einheimische Auswahl. Ein beeindruckender, offizieller Empfang danach hat die Niederlage aber wohl schnell vergessen lassen.

Die Mannschaft vor dem Spiel in Port-au-Prince (Haiti)

Eine echte Herausforderung wurde dabei die Weiterfahrt per Bus über 300 km nach Haiti in die Hauptstadt Port-au-Prince. Dort herrschte zu jener Zeit noch Diktator Duvalier und das Land war weitgehend abgeschottet. Folglich war auch die Grenze geschlossen und es ging es nicht weiter mit dem Bus. Aber der Spieltermin war ja schon vereinbart: Als Folge haben wohl viele Menschen in Port-au-Prince zunächst einmal vergeblich auf die Gäste gewartet. Letztendlich machte eine Sondergenehmigung beider Staats-Chefs die Weiterfahrt erst möglich.

Das Treffen wurde also mit einigen Tagen Verzögerung neu angesetzt. Der Aufwand wurde belohnt: an diesem Montag-Abend wollten ca. 20.000 begeisterte Zuschauer das Spiel gegen  „Athletique Violet Port-au-Prince“ sehen, den damaligen Meister auf Haiti. Es war ein Treffen von Amateuren gegen Profis: Gab es doch in der Mannschaft von Port-au-Prince auch mehrere Nationalspieler, von denen sechs im Folgejahr sogar bei der Weltmeisterschaft in Deutschland dabei waren (sie setzten dabei sogar Italien ordentlich unter Druck). Aber auch hier schlug sich die Eintracht beeindruckend gut und verlor nur 1:3.


Interview zur Karibik-Reise

Passend zum Thema nachfolgend ein Interview mit Bernd Wißler, der in der Betzenhauser Sportwelt bestens bekannt sein dürfte und z.B. im Jahr 1978 die Handballabteilung der Eintracht gründete. Was viele nicht wissen: Bernd hat auch eine Fußball-Vergangenheit und war bis 1978 erfolgreicher Mittelstürmer im damaligen Fusionsverein Eintracht DJK Freiburg. Und er war auf der Fußall-Reise nach Haiti dabei. Nachfolgend seine Erinnerungen.

Redaktion: Bernd, du warst auf der Reise nach Haiti mit dabei. Wie seid Ihr auf dieses exotische Ziel gekommen?
Bernd: Fritz Schreiber hatte von 1967 an immer wieder Fußball-Reisen organisiert. So ging die 1. Reise mit der A-Jugend auf eine Rundreise durch Spanien, eine weitere in die Türkei und immer durften die Spieler mit einem Spiel gegen gute Gegner noch heute schwärmen. Ich nehme an, nachdem Haiti die Quali für die WM in Deutschland geschafft hat, probierte Fritz, dass wir mal dort spielen können. Wie das alles zustande kam, ist mir nicht bekannt.

Meister C-Klasse 1973 (kleine Markierung B. Wißler)

Redaktion: Ihr seid über die Landgrenze aus der Dominikanischen Republik eingereist. Das war damals doch offiziell gar nicht möglich.
Bernd: Richtig, wir mussten auch zunächst an einem Grenzübergang wieder umdrehen. Aber dann war es wieder mal Fritz Schreiber, der das Unmögliche möglich machte und mit einem Anruf bei Baby Doc (gemeint ist der damalige Staatspräsident Jean–Claude Duvalier d. Red.) die Sondergenehmigung für die Einreise bekam.

Redaktion: In Port-au-Prince wart ihr wohl die ersten Europäer, die dort als Kicker gesehen wurden. Wie sind deine Erinnerungen an den Empfang in der Stadt und im Stadion?
Bernd: Wir kamen mitten in der Nacht in Port-au-Prince an. An der Stadtgrenze empfingen uns schon die Zuschauer und fuhren unserem Omnibus in einem ohrenbetäubenden Hupkonzert hinterher. Miguel, unser Fahrer, fuhr fast alle Straßen ab und wir waren von dem Empfang und der Begeisterung der Haitianer überwältigt. Das Spiel begann am nächsten Tag in der Nacht um 23 Uhr. Es waren 23000 (!) Zuschauer im Stadion. Ich erinnere mich sogar noch an die Eintrittspreise. Es waren 5 Lempira auf der Schattenseite und nur ein Lempira auf der Sonnenseite. Vor Beginn des Spieles kam ein Funktionär auf mich zu und sagte, wir sollen vor die Tribüne kommen und uns aufstellen. Als wir da standen, erhob sich eine riesige Militär-Musikkapelle und spielte die zwei Nationalhymnen ab.

Redaktion: Nun war Haiti zur damaligen Zeit ein Land wo das Militär allgegenwärtig war. Wie zeigte sich dies in der Stadt und im Stadion?
Bernd: Zunächst muss ich sagen, dass wir uns um unsere Sicherheit nie gefürchtet haben. Wir hatten allerdings den Verdacht, dass jemand auf uns aufpasst, wenn wir durch den Ort gingen. Bevor das Spiel begann, eilte der Schiedsrichter unvermittelt auf unseren Torwart Manfred Rösch auf. Der trug – wie damals bei Torleuten üblich – eine lange Trainingshose. Grund für den Schiri den verdutzten Mani nach Waffen abzuklopfen. Erst dann konnte das Spiel beginnen.

Redaktion: Letzte Frage. Wie ist denn das Spiel eigentlich ausgegangen?
Bernd: 3:1, und das Tor für uns durfte ich schießen.

(Das Interview wurde ursprünglich in unserem Stadtteil-Magazin Bürgerblättle veröffentlicht, Ausgabe 267 vom Juni 2021)


Mehr zu den Reisen der Eintracht

Also nächste Reise folgte im Jahr 1975 die Die Eintracht in Saudi-Arabien.

Eine Übersicht und allgemeine Hintergründe bietet unser Beitrag Betzenhauser Kicker auf Weltreise.

Passend zum Thema konnten wir im Jahr 2020 auf 100 Jahre Fußball in Betzenhausen zurückblicken.

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