Architektur der Ökostation
Aktuelles vorab: Jetzt im April 2026 feiert die Ökostation in Freiburg am Seepark ihr 40-jähriges Jubiläum. Gefeiert wird auch wirklich, und zwar am 18. April: Es ist exakt das gleiche Tagesdatum wie bei der Eröffnung (18. April 1986). Gleichzeitig war es natürlich auch der Beginn der Landesgartenschau 1986 und auch der Startschuss für den Seepark, wie wir ihn heute kennen.

Die individuelle Architektur der Ökostation war sicher mit ein Grund für deren Erfolg auf der Landesgartenschau 1986 und in der Zeit danach. Also ein guter Anlass, etwas näher darauf einzugehen, wie denn die Ökostation gebaut ist. Passend dazu möchten wir weiter unten auch einige Fotos aus dem KuGe-Archiv ergänzen, die aus der spannenden Bauphase vor der LGS 86 stammen (damals noch als DIAs).
Ein Hinweis vorab: Wenn wir nachfolgend auf die Architektur der Ökostation eingehen, dann soll es um die ursprüngliche Ausführung gehen, wie sie auf der Landesgartenschau gestanden hat. Leider hatte diese Version nur eine kurze Lebensdauer: Schon im Jahr nach der LGS (Februar 1987) zerstörte ein Brand das Hauptgebäude (Naturhaus). Die Stadt Freiburg engagierte sich zum Glück für einen Wiederaufbau und so wurde im September 1991 die neue Ökostation fertiggestellt, wie wir sie heute kennen. Ihr grundsätzlicher Aufbau war wie zuvor, aber es wurden doch auch einige technische Neuerungen eingeführt bzw. Anpassungen vorgenommen in Bezug auf modernere Umwelttechnikstandards.
Die Architektur
Ein Naturhaus mit Lehmwänden, einem Grasdach, einer Solaranlage und einem Bio-Garten zur Selbstversorgung. Die Leitung bei diesem ökologischen Modellprojekt in den 1980er Jahren hatte der Landesverband des BUND. Architekt war Udo-Falk Grab aus Münstertal; unterstützt u.a. vom Baubiologen Pius Kopp. Anspruchsvoll waren auch die Aufgaben für Statiker Harald Rheinberger: vor allem in Bezug auf die außergewöhnliche Rundholzkonstruktion beim Dach.
Die Ökostation gilt als Modellprojekt für nachhaltiges Bauen, ein herausragendes Beispiel für baubiologische und ökologische Architektur. Das Konzept bestand aus mehreren Komponenten: ein Naturhaus, eine Stadtlaube, Naturgarten, Feuchtbiotop und Gartenhaus. Das Naturhaus als zentrales Element war grundsätzlich einem „Hogan“ der Navajo-Indianer nachempfunden.
Das Naturhaus

Das zentrale Gebäude wurde damals als „Naturhaus“ bezeichnet und basierte auf einem oktogonalen Grundriss mit einem Durchmesser von etwa 12 Metern. Die Basis bildet ein Ringfundament, auf dem tragende Rundholzstützen montiert sind. Darüber gespannt ist eine Rundholzkuppel, wodurch ein zentraler Versammlungsraum entsteht, das Forum. Die Rundholzkuppel besteht aus versetzt übereinander gelagerten Holzkränzen, die sich nach oben verjüngen. Umgeben wird das Forum von Nebenräumen für Küche, WC, Energiezentrale und ein Naturkeller.
Für die kräftige Rundholzkonstruktion als statisches Rückgrat des Hauses wurden ausschließlich einheimische Hölzer verwendet. Die Konstruktion erwies sich als so widerstandsfähig, dass sie sogar weitgehend dem schweren Brand im Jahr 1987 standhielt, bei dem die dicken Rundhölzer nur oberflächlich verkohlten.

Ein wesentliches Merkmal beim Bau war die konsequente Nutzung natürlicher und schadstofffreier Baumaterialien:
- Lehm wurde in verschiedenen Techniken eingesetzt, etwa als Stampflehm für Böden, in Pisé-Bauweise für Innenwände oder im Schalenbau mit Strohlehmschüttung.
- Ein Großteil der verwendeten Backsteine, Ziegel und Glasflächen waren Recycling-Baustoffe und stammten aus Abbruchhäusern. Es war also schon damals erklärtes Ziel, graue Energie zu sparen und Ressourcen zu schonen.
- Zur Isolierung / Dämmung wurden natürliche Stoffe wie Kork und Isoflock verwendet.
Die Architektur folgte zudem einem ausgeklügelten energetischen Konzept:
- Ein nach Süden ausgerichteter Wintergarten dient als Wärmeschleuse und passives Solarsystem.
- Die Nebenräume im Norden sind von Erdanschüttungen umgeben, die als Schutz gegen kalte Nordwinde dienen und das Volumen-Oberflächen-Verhältnis optimieren.
- Das Haus nutzte schon damals Solarkollektoren zur Warmwasserbereitung und Photovoltaikanlagen zur Stromerzeugung. Die Funktionen wurden später noch weiter ausgebaut und sorgen dafür, dass die Ökostation heute nahezu energieautark betrieben werden kann.
Das markanteste äußere Merkmal ist ein Grasdach; anfangs angelegt als artenreiches Blumenwiesendach mit über 60 verschiedenen Pflanzenarten.
Die Stadtlaube

Anfangs wurde die Ökostation ergänzt durch eine sog. „Stadtlaube„: ein Pflazendom oder auch „wachsendes Pflanzenhaus“ aus Rundholzbindern. Gedacht auch als Prüfstand für Fassadenbegrünung und als Anregung, um mehr Natur in die Städte zu bringen.
Die zugehörigen Bau- und Bepflanzungspläne erstellte Rudolf Doernach, Buchautor und Pionier der Bio-Architektur. Diese Pläne sahen vor, dass die Begrünung über ein Rankgerüst erfolgte. Es sollte mehrere Zugänge geben im Schnittpunkt verschiedener Wege auf der LGS. Die Laubenkonstruktion bestand aus Rundholzbindern auf einem achteckigen Grundriss (Durchmesser 14 m, Höhe 7 m). Der Aufbau lag in Händen der Freiburger Firma Grünspecht.
Unterschiedlichste Rangpflanzen sollten hier wachsen und für einen naturnahen Innenbereich sorgen. Allerdings benötigt das Wachstum solcher Pflanzen auch seine Zeit und so wurde schnell klar, dass die Grundkonstruktion der Stadtlaube schon einige Zeit vor der Landesgartenschau fertig sein musste. Also wurde der April 1984 – zwei Jahre vor der LGS-Eröffnung – als Eckpunkt der Umsetzung bestimmt: zum einen für die Fertigstellung des Rankgerüstes an der Stadtlaube und gleichzeitig erster Spatenstich bei dem geplanten Naturhaus.

Am Ende bildeten Stadtlaube und Naturhaus eine unverwechselbare Einheit, die zeigen sollte, wie organisches Bauen und moderne Umwelttechnik Hand in Hand gehen können. Der Erfolg auf der LGS bestätigte das Modell.
Ein sehr tragisches Ereignis führt Mitte der 1990er Jahre leider zum Abriss der Stadtlaube: im November 1995 wurde eine junge Frau Opfer bei einem Mordanschlag an der Ökostation. Also Folge wurde u.a. beschlossen, den Bereich um die Ökostation freier und besser einsehbar zu gestalten und damit ohne die Stadtlaube. Zur Erinnerung an den Anschlag pflanzte man dort eine Linde.
Das zweite Leben der Ökostation
Das Leben der ersten Ökostation nach der Landesgartenschau war nur kurz: im Februar 1987 zerstörte ein Brand das Naturhaus. Insbesondere OB Rolf Böhme war es zu verdanken, dass die Stadt Freiburg sich für den Neuaufbau engagierte (hilfreich dabei sicher auch das Geld aus einer Gebäudeversicherung). Auch wenn es am Ende mehrere Jahre dauerte: im September 1991 war das neue Naturhaus der Ökostation fertiggestellt. In Grundaufbau wie die erste Version, aber doch auch mit einigen technischen Neuerungen und angepasst an modernere Umwelttechnikstandards. Architekt diesmal das Freiburger „Planungsbüro Ökologisches und Gesundes Bauen Möhrle“.
Das neue Haus überzeugte mit dem „Charme einer perfekten Baubiologie“ wie es Peter Heller als damaliger Umweltbürgermeister beschrieb.
Nachfolgend einige Fotos zur Ökostation vor und während der Landesgartenschau 1986 (KuGe-Archiv, damals noch als DIAs erstellt).
Sonstiges zur Ökostation
Einen sehr ausführlichen Beitrag zum Thema hier gab es 1987 von Udo-Falk Grab, dem Architekten der Ökostation, in der Fachzeitschrift „ARCH+“. Siehe download im Archiv der Uni Stuttgart oder bei www.archplus.net.
Sonstiges zur Entwicklung der Ökostation haben wir in einem eigenen Beitrag zusammengefasst; siehe Geschichte der Ökostation.
Das Programm der Ökostation bzw. aktuelle Veranstaltungen sind natürlich auf der zugehörigen Webseite zu finden; siehe www.oekostation.de.
Nicht nur die Ökostation ist von der LGS 86 geblieben, es sind auch einige andere Bauten und Kunstobjekte zu bewundern; und natürlich auch der Seepark selbst. Siehe unser Beitrag zur Landesgartenschau 1986.









