Das Wappen von Betzenhausen

Das Wappen von Betzenhausen wurde ursprünglich als Schwarz-Weiß-Bild konzipiert; natürlich wurden im Laufe der Zeit auch farbige Versionen erstellt (siehe Abb. rechts). Es hat drei zentrale Elemente, die sich auf die wechselvolle Geschichte des Ortes beziehen dürfte:
- Die linke Seite: Hier ist das rot-weiß-rote Wappenschild Habsburg-Österreichs abgebildet (Bindenschild). Es dokumentiert die jahrhundertelange Zugehörigkeit von Betzenhausen zur vorderösterreichischen Landesherrschaft (1381 bis 1806).
- Rechts unten: Dieses Symbol dürfte eine Pflugschar darstellen; gelegentlich wird es auch als Rebschaufel verstanden. Es steht als traditionelles Wahrzeichen für eine bäuerliche Gemeinde und verweist damit auf die historische Rolle von Betzenhausen als Dorf (leibeigener) Ackerbauern.
- Rechts oben ein Adler, dessen Bedeutung in Bezug auf Betzenhausen aber unklar ist. Gelegentlich wird stattdessen auch angenommen, es sei ein Rabe in Erinnerung an die Zugehörigkeit zum Kloster Einsiedeln (etwa 250 Jahre ab 972).
- Die Form eines Schildes ist typisch für Umland-Gemeinden von Freiburg und gilt ja auch für das Wappen von Freiburg selbst.
Rechts ist die Ausgestaltung des Wappens zu sehen, wie es über viele Jahrzehnte verwendet wurde (über viele Jahre auch auf dem Deckblatt vom Stadtteil-Magazin Bürgerblättle). Ab den 1970er Jahren wurde häufig ein Wappen mit zusätzlichem Ornament verwendet, das man erstmals 1973 in einer Darstellung auf der Mauer vor der St.‑Thomas-Kirche findet (angelegt und eingeweiht zur 1000-Jahr-Feier).
Entstehung des Wappens

Ein Runderlass des Innenministeriums vom 6. März 1895 über die Siegel und Wappen der Gemeinden beauftragte die badischen Bezirksämter, die Gemeinden bei der Schaffung von Wappen zu unterstützen. Da die Kommunal-Heraldik (Wappenkunde) grundsätzlich in die Zuständigkeit des Landesarchivs fällt, entwarf das Generallandesarchiv in Karlsruhe daraufhin für die meisten badischen Gemeinden neue Wappen oder es wurden vorhandene Siegelbilder oder Fleckenzeichen zu Wappenbildern nach Regeln der Heraldik umgearbeitet. Vorschläge für den Raum Freiburg, und damit auch Betzenhausen, wurden im Jahr 1899 erarbeitet.
Zum Entwurf für das Wappen von Betzenhausen ist als interner Kommentar zu lesen: „Vorschlag: Bessere Darstellung des alten Siegels, welches 1783 im Gebrauch war. Wappen: gespaltener Schild. Rechts: Querbalken. Links: Adler über einem Pflugschar schwebend.“ Rechts und links sind hier vertauscht (heraldische Sicht vom Träger aus). In dem Kommentar wird nebenbei auch bestätigt, dass auf der rechten Seite oben ein Adler dargestellt sein soll.
Der damalige Vorschlag mit entsprechender Skizze (siehe Abbildung rechts) gilt bis heute. Man kann allerdings feststellen, dass es im Laufe der Zeit Abwandlungen gab und z.B. der Adler mal nach links oder nach rechts schaut.
Anwendung fand das Wappen vermutlich schon bald in Schriftsätzen der Ortsverwaltung. Entsprechende Dokumente liegen dem KuGe aber heute nicht mehr vor. Allerdings wurde das Wappen im Jahr 1908, dem Jahr der Eingemeindung nach Freiburg, auch „in Stein gemeißelt“: zu finden noch heut im Kopf des Brunnens vor der Kirche St. Thomas. Der war zu jener Zeit ein Geschenk der Stadt Freiburg an Betzenhausen und gleichzeitig ein Symbol für den Anschluss an das Trinkwassersystem der Stadt.

Parallel zum Wappen wurde 1899 auch ein Siegel vorgeschlagen und angenommen (siehe Zeichnung links): Es ist das Wappen mit einer Umrahmung durch den Schriftzug „Gemeinde Betzenhausen“. Das Siegel wurde vermutlich schon mit der Eingemeindung 1908 überflüssig. Wie dem oben zitierten Kommentar von 1899 beim Landesarchiv zu entnehmen ist, geht das Wappen zurück auf ein Siegel, das im Jahr 1783 für die ehemalige Gemeinde Betzenhausen registriert wurde.
Laut Manuskripten von Franz Flamm im Archiv des KuGe, könnte die Pflugschar unten rechts auch auf die Weiterführung eines noch älteren Fleckenzeichens hindeuten („Fleckenzeichen“ als historische Symbole kleinerer Ortschaften, z.B. auf Grenzsteinen).
„Wappen-Redesign“ in den 1970er Jahren
Anlass könnte das Jubiläum zu 1000 Jahren Betzenhausen gewesen sein: In dieser Zeit erschien erstmalig eine Abwandlung des Wappens mit zwei auffälligen Anpassungen (siehe farbige Abb. rechts):
Erhalten geblieben ist der innere Bereich des Wappens mit den wesentlichen Elementen, die schon oben erläutert sind. Die Symbole für Pflugschar und Adler auf der rechten Seite wurden leicht angepasst.- Der bisherige Rahmen in Form eines Schildes wurde nach oben abgerundet.
- Dieses geänderte Grundelement wurde zusätzlich durch einen „fürstlich wirkenden“ Schmuckrahmen ergänzt; da Element ganz oben erinnert an eine Muschel. Könnte sein, dass es bei diesen Ornamenten eine historische Vorlage gegeben hat (ist aber nur eine Vermutung).
Dieses geänderte Wappen ist wohl nur intern und nicht über Abstimmungen mit dem zuständigen Landesarchiv entstanden. Nach heutiger Kenntnis wurde es erstmals in der Festschrift zu „1000 Jahre Betzenhausen“ verwendet, parallel zum vorherigen Wappen, das noch auf dem Deckblatt zu sehen war. Bei der Jubiläumsfeier im Jahr 1973 wurde dieses neue Wappen auch an der Kirchenmauer von St. Thomas angebracht (siehe Bild rechts).
Erst ab 1984 ziert das geänderte Wappen auch die Deckseite des Stadtteil-Magazins von Betzenhausen: zunächst natürlich noch in Schwarz-Weiß, später in der Farbversion, wie im Bild oben abgebildet.
Rabe oder Adler?
Zurück zur Frage, ob es sich oben rechts im Wappen um einen Raben oder einen Adler handelt. Ein paar Argumente:
Es ist ein Adler …
Die bekannten Abbildungen erinnern mehr an einen Adler als an einen Raben. Auch in historischen Unterlagen wird das Symbol überwiegend als Adler bezeichnet: So war es ja auch in den Anmerkungen zum Entwurf des Wappens im Jahr 1899 (siehe Zitat oben: „Adler über einem Pflugschar schwebend.„).
Aber ein direkter historischer Hintergrund über eine Verbindung zwischen Betzenhausen und dem Symbol des Adlers scheint nicht bekannt zu sein. Die Stadt Freiburg hatte zeitweise den Kopf eines Adlers im Wappen. Ein kompletter Adler war dagegen im Wappen vom Grafen von Freiburg zu finden: Doch Betzenhausen gehörte lange Zeit der Stadt und keinesfalls dem Grafen.
Nur eine Variante sei angemerkt: Bis 1973 gab es einen Landkreis Freiburg. Sein Wappen bestand aus zwei Schildhälften und sie symbolisierten die ehemaligen Herrschaftsgebiete Vorderösterreich und Baden. In der Mitte ein Adler: Den hatte man beim Entwurf des Wappens von der Stadt Breisach übernommen, die ja der Landschaft Breisgau den Namen gab (verkürzt aus „Breisachgau“). Im Breisgau liegt Betzenhausen ja nun mal auch.
Es ist ein Rabe …
Hier kommt eine Geschichte aus der Anfangszeit von Betzenhausen zum Tragen: Ab dem Jahr 972 ging das Bauerndorf in den Besitz des Klosters Maria Einsiedeln in der Schweiz und blieb dort für über 250 Jahre. Es war eine Zeit, die es durchaus wert war, gewürdigt zu werden.
Das Wappen von Einsiedeln führt zwei Raben, weil der Sage nach der Gründer des Klosters (Mönch Meinrad) von zwei Landstreichern erschlagen wurde und zwei Raben dann die Mörder verfolgten und vor Gericht brachten. Es spricht durchaus einiges dafür, dass einer dieser Raben in das Wappen von Betzenhausen aufgenommen wurde, um die lange Zugehörigkeit zum Kloster Einsiedeln zu würdigen (siehe unser Beitrag zu 1000 Jahre Betzenhausen).
Lassen wir es offen
Es sei noch erwähnt, dass diese Frage „Adler oder Rabe“ auch bei Freiburg selbst zeitweise im Raum stand. Als die Stadt im Jahr 1327 das eigene Münzrecht erhielt, prägte sie einen Adlerkopf auf die Münzen, um sich ganz bewusst von den Münzen der Grafen zu unterscheiden. Die Bevölkerung nannte den Vogel auf diesen Münzen aber spöttisch einen Raben: im alemannischen Dialekt einen „Rappen“. So bekamen die historischen Freiburger Münzen schon bald den Namen „Rappen“ und die Währung verbreitete sich auch im Umland. Heute gibt es den Rappen ja immer noch in der Schweiz. Dieser historische Adler- bzw. Rabenkopf lebt für Fußball-Fans auch noch im Wappen und Logo des SC Freiburg weiter.
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Hintergründe zum Brunnen vor der Thomaskirche mit der ältesten Abbildung des Wappens von 1899 sind zu finden in unserem Beitrag Ein Brunnen mit besonderer Geschichte….
Zu den wichtigsten Stationen in der Geschichte von Betzenhausen haben wir ein Übersichtsblatt erstellt.
