Betzenhausen im Lerchplan (1852)

Dieser Plan von Freiburg aus dem Jahr 1852 ist bekannt als „Vogelperspektive der Stadt Freiburg im Breisgau“. Im Beitrag hier soll es natürlich auch um Betzenhausen und Lehen gehen auf diesem Plan: Die beiden Orte sind als Ansammlung von Häusern am Horizont zu erkennen.

Der Plan ist heute im Augustiner Museum von Freiburg untergebracht, aber es gibt auch Nachdrucke oder Poster. Eine Inschrift am unteren Rand zeigt den Bezug: „Angefertigt auf Anordnung des Gemeinderathes durch Jos. Wilh. Lerch von Freiburg im Jahre 1852“.

Ein Nachdruck vom Lerchplan im Bestand des KuGe (Version von 1852)

Kurze Übersicht: Was der Lerchplan zeigt

Der Lerchplan zeigt die Stadt Freiburg im Jahr 1852 mit Blick aus Richtung Osten, im Grunde über dem Schloßberg schwebend; geschaffen von Joseph Wilhelm Lerch. Seit dem 17. Jahrhunderts waren solche Darstellungen der Städte als Vogelschauansicht durchaus beliebt.

Das damalige Freiburg ist detailgetreu dargestellt; im Zentrum natürlich mit dem Münster. Da sogar Einzelbauten im Stadtbereich exakt abgebildet sind, dokumentiert der Lerchplan den Stand der Stadtentwicklung vor dem starken Wachstum in nachfolgenden Jahrzehnten. Auf dem Lerchplan erkennbar ist sogar noch der Ruinengürtel, den 100 Jahre zuvor die Sprengung der Befestigungsanlage von Vauban zurückgelassen hatte: Es war lange die Grenze der städtischen Bebauung. Neue Stadtquartiere, die bis 1850 gebaut wurden, sind schon im Plan enthalten (z.B. Leopoldvorstadt im Norden und Stephanienvorstadt im Süden vor dem Martinstor). Westlich der Ludwigskirche war 1829 das neue Klinikum gebaut worden. Es galt als eines der modernsten Krankenhäuser seiner Zeit; daraus entwickelte sich später das Institutsviertel.

Detailgetreu ist auch der Bahnhof von Freiburg dargestellt, der 1845 fertigstellt worden war: mit 11O Metern Länge die größte Bahnsteighalle Badens. Damals hatte der Bahnhof noch einigen Abstand zur Stadt. Grund war aber nicht etwa der Gedanke eine Expansion in Richtung Westen, sondern es war technisch bedingt: Lokomotiven konnten damals nur geringe Steigungen überwinden und da Freiburgs Stadtzentrum doch um einiges höher liegt als das Umland, brauchte man diesen Abstand. Anfangs war sogar eine Trasse noch weiter westlich im Gespräch. Sogar bei der gewählte Lage mussten man zum Ausgleich von Höhenunterschieden noch Bahndämme bauen und Straßenunterführungen.

Das 1,46 Meter hohe und 2,06 Meter breite Wasserfarbengemälde befindet sich heute wieder im Depot des Augustinermuseums. Es gab im Grunde zwei Ausführungen:

  • Die erste Version von 1852 war handgemalt mit Feder und weichen Wasserfarben (Aquarell). Von diesem Plan gab es nur ein Exemplar (Unikat). Nachdrucke und Poster, die man noch heute erwerben kann, basieren üblicherweise auf dieser Planausführung (wie im Bild oben). Der Plan ist von einem Schmuckrahmen mit 34 Vignetten wichtiger Freiburger Gebäude umgeben; aber auch statistischen Angaben wie Anzahl Einwohner (damals 16.000). Schriftzüge und Jahreszahlen sind dort in eleganter Kalligrafie/Handschrift gesetzt.
  • Zehn Jahre später (also 1862) erstelle Lerch eine Variante des Plans als Lithografie, gedacht für den mehrfachen Druck und damit explizit für eine breitere Öffentlichkeit (Nachdruck). Da ein Buntfarbendruck damals aber noch sehr aufwendig war, wurden wohl überwiegend Abzüge in Schwarz-Weiß erstellt und dann nachträglich manuell koloriert. In diese Variante sind inhaltlich auch noch städtebauliche Veränderungen der zusätzlichen zehn Jahre eingeflossen (z.B. der Ausbau beim Eisenbahnareal oder auch neue Straßen).

Unmittelbar nach seiner Fertigstellung wurde das Werk im Ratssaal der Stadt aufgehängt (damals in der historischen Gerichtslaube). Im Jahr 1871 wurde das Gemälde auf der „Oberrheinischen Gewerbeausstellung“ auf dem Karlsplatz gezeigt, wo es auf große Resonanz stieß. Über viele Jahre hinweg war der Plan im Lesesaal des Freiburger Stadtarchivs aufgehängt. Heute befindet sich das Original im Depot des Augustinermuseums und war im Frühjahr 2002 Mittelpunkt der Jubiläumsausstellung „Freiburg aus der Vogelschau“.

Der Zeichner und Lithograf „Jos. Wilh. Lerch“

Joseph Wilhelm Lerch (1817 – 1901) begann seine Ausbildung in der Werkstatt des Verlagshauses Herder in Freiburg. Später zog es ihn nach Basel zum Maler Johann Friedrich Mähly, wo er ab 1842 arbeitete. Daraus entstand seine große Beteiligung an einem Vogelschauplan von Basel, der 1845 vorgestellt wurde.

Mit der Tod von Mähly 1848 verlor Lerch seine Arbeit in Basel und kehrte nach Freiburg zurück. An der Universität Freiburg wurde er ab 1850 anatomischer Zeichner und fertigte vor allem Wandtafeln für den akademischen Unterricht. Das sicherte ihm ein geringes, regelmäßiges Einkommen: Zu wenig für den Unterhalt seiner Familie mit vier Kindern (er galt folglich eher als „notleidender Familienvater“). Also wandte sich Lerch im Jahr 1850 an den Freiburger Stadtrat mit dem Vorschlag, ein Bild von Freiburg zu erstellen ähnlich zu dem in Basel. Das fand Interesse und man vereinbarte ein Honorar in Höhe von 300 Gulden. Am Ende hat die Stadt aber nur einen Teil ausgezahlt; wohl auch mit Hinweis, das er ja schon Geld von der Städtische Armenkasse erhalten habe.

Später folgten weitere Panoramabilder: Im Jahr 1878 war es ein Wasserfarben-Bild mit drei Meter Breite. Auch das zeigte die Stadt wieder vom Schloßberg aus, aber an den Seiten erweitert in Richtung Dreisamtal und Zähringen. Das Original zu diesem Bild ist nicht erhalten geblieben. Allerdings gab es zwei Jahre zuvor schon eine verkleinerte Version als kolorierte Lithografie und davon gibt es ein Exemplar noch im Bestand des Augustinermuseums. Seine letzte Arbeit war ein weiteres „Panorama von Freiburg i. B. (Baden) östlich aufgenommen“ im Jahr 1882: Ebenfalls eine kolorierte Lithografie; diesmal aber ohne die Vogelperspektive. Das Bild ist noch mehr in die Breite gezogen und hat dadurch besonders starke Verzerrungen an den Seiten („Fischaugen-Optik“).

Lerch hat keine Stadtpläne oder Landkarten im klassischen kartografischen Sinne erstellt. Seine Stärke lag vor allem in der künstlerisch-grafischen Vogelschau und Panorama-Illustration, bei der Gebäude und Straßenzüge bildhaft und räumlich gezeichnet wurden.

Obwohl seine Werke große Anerkennung fanden, lebte Lerch immer wieder in finanzieller Not, war auf die städtische Armenkasse angewiesen und ist wohl auch sehr häufig umgezogen. Seine letzten Lebensjahre verbrachte er mittellos in der Freiburger Kartaus, wo er 1901 im Alter von 84 Jahren starb.

Abbildung von Betzenhausen und Lehen

Die Sicht im Lerchplan ist vom Schlossberg im Osten von Freiburg. Also zeigt der Horizont am oberen Rand des Bildes nach Westen in Richtung Rheinebene mit Tuniberg, Kaiserstuhl und den Vogesen als letztem Element. Davor die Orte Betzenhausen und Lehen als eine gemeinsame Sammlung von Gebäuden. Hier ein passender Ausschnitt.

Ausschnitt Betzenhausen und Lehen im Lerchplan

Im Lerchplan sind Betzenhausen und Lehen als Dörfer in der Ebene westlich der Stadt zu sehen. Es lag, wie z.B. auch Haslach, noch weit vor den Toren Freiburgs in einer von Feldern und Wegen durchzogenen Landschaft. Offensichtlich führten damals zwei Wege nach Freiburg: Links ist es die Lehener Straße. Dort sind einige Bäume am Wegesrand eingezeichnet. In der markanten Kurve auf halber Strecke ist sicher die Bischofslinde gezeigt: Das Bischofskreuz lag zu jener Zeit vernachlässigt auf der Weide und war höchsten Ort für eine Rast.

Links im Bildausschnitt führte der damalige Mühlbach an Betzenhausen vorbei und betrieb mindestens eine Mühle (damals mit weit mehr Wasser als heute). Nicht weit davon entfernt ist die Kirche St. Thomas erkennbar: Damals schon mit dem gleichen Gebäude wie heute (errichtet 17xx). Zentral am Rand der Lehener Straße stehen zwei große Gebäude: An der Ecke zur Hofackerstraße ist es das „Gasthaus zum Bären“, denn dieses Gebäude kennt man auch von anderen Darstellungen (z.B. auf Postkarten, gebaut 1840). Auf der anderen Seite der Lehener Straße kann man auch das „Gasthaus zur Krone“ erkennen (Ecke zur Dietenbachstraße; auch dieses historische Gebäude ist von Bildern bekannt). Ganz rechts im Bild – Am Ende der Häusersammlung – ist die Kirche St. Cyriak in Lehen zu erkennen.

Man kann zusammenfassen: Der Plan zeigt Betzenhausen und Lehen noch mit dem ursprünglichen Charakter als ländliche Siedlung fern von Freiburg.


Sonstiges zum Lerchplan

Unbedingt zu empfehlen ist eine Ausarbeitung von Peter Kalchthaler im Jahr 2003 über Pläne mit Vorgelperspektiver und damit insbesondere der Lerchplan; nachzulesen in der Badischen Landes Bibliothek, siehe Ein Bild der Stadt Freiburg vor 150 Jahren (PDF, veröffentlicht in der Zeitschrift „Badische Heimat“).

 

 

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